Der Waffenschmied
Lortzing, Albert
HANS STADINGER, Waffenschmied und Tierarzt (Bass)
MARIE, seine Tochter (Sopran)
RITTER GRAF VON LIEBENAU (Bariton)
GEORG, sein Knappe (Tenor)
ADELHOF, Ritter aus Schwaben (Bass)
IRMENTRAUT, Maries Erzieherin (Mezzosopran)
BRENNER, Gastwirt, Stadingers Schwager (Tenor)
EIN SCHMIEDEGESELLE (Bass)
SYSTEMERSTER AUFZUG
SYSTEMOuvertüre
Stadingers Werkstätte mit Öfen, Ambossen und sonstigen Schmiedegerätschaften
Durch die im Hintergrund befindlichen Fenster erblickt man eine reizende Landschaft nebst einem Teil der Stadt, von der Abendsonne beleuchtet. Rechts und links Seitentüren, die ins Innere des Hauses führen. Der Haupteingang ist im Hintergrund
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Der Graf
Gesellen, bei der Arbeit beschäftigt; später Georg
SYSTEMNr. 1 - Introduktion
GESELLENSprühe, Flamme! Glühe, Eisen!
GESELLENDass des Feuers
Hammers
GESELLENAllgewalt
GESELLENdich nach hergebrachten Weisen
GESELLENfügsam mache alsobald.
GESELLENManneskraft
GESELLENrüstig schafft,
GESELLENwas des Helden Brust beschützt;
GESELLENbringt uns Ehr',
GESELLENwenn die Wehr,
GESELLENwenn die blanke Waffe blitzt.
GESELLENHammerschlag, Ambossklang,
GESELLENunser Lied und Gesang!
als Schmiedegeselle gekleidet
GRAFSie liebt mich wahr und innig,
GRAFund doch quält Argwohn mich,
GRAFdass sie's auch ernstlich meine,
GRAFwenn liebeflehend ich
GRAFim Ritterschmuck erscheine.
ebenfalls als Schmiedegeselle gekleidet, zur Haupttür hastig eintretend
GEORGHe, Konrad!
GRAFWas gibt's?
leise zum Grafen
GEORG'ne Neuigkeit:
GEORGNicht weit von hier,
GEORGda hält ein Wagen,
GEORGich höre fragen
GEORGund schau hinein;
GEORGwer, denke ich, kann das wohl sein?
GRAFSo sprich: Wer war's?
GEORGDas Fräulein von Katzenstein, Eure Braut.
GRAFHol sie der Teufel!
GEORGSie zwingt am Ende doch
GEORGEuch noch ins Ehejoch.
auffahrend
GRAFWohlan, es sei beschlossen:
GRAFGeendet wird das Spiel.
GRAFBei meinem Barte schwör ich -
leise ihm zuflüsternd
GEORGDen habt Ihr abgeschnitten.
GRAFBei meines Stammes Ehre
GRAFund echtem Rittersinn:
GRAFMorgen um diese Stunde
GRAFweiss ich, woran ich bin.
vortretend
EIN GESELLESo redet doch nur leiser;
EIN GESELLEihr wisst ja, dass der Meister
EIN GESELLEda drinnen jetzt studiert
EIN GESELLEund Medizin traktiert.
GEORG's wär Verbrechen, ihn zu stören;
GEORGkeinen Laut mehr soll er hören.
GEORGGehet leise an die Arbeit,
GEORGauf, dass uns kein Vorwurf trifft.
GEORGGeht leise an die Arbeit, leise!
Sie fangen mit grossem Geräusch wieder an zu hämmern
GESELLENSprühe, Flamme! Glühe, Eisen!
GESELLENDass des Feuers
Hammers
GESELLENAllgewalt
GESELLENdich nach hergebrachten Weisen
GESELLENfügsam mache alsobald.
GESELLENManneskraft
GESELLENrüstig schafft,
GESELLENwas des Helden Brust beschützt;
GESELLENbringt uns Ehr',
GESELLENwenn die Wehr,
GESELLENwenn die blanke Waffe blitzt.
GESELLENHammerschlag, Ambossklang,
GESELLENunser Lied und Gesang.
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Stadinger mit grossen Medizingläsern und Kräutertüten von der Seite
STADINGERBringt eilig Hut und Mantel mir,
STADINGERich muss das Haus verlassen.
STADINGERDarum, Georg, befehl ich dir,
STADINGERgenau mir aufzupassen,
STADINGERdass der Herr Ritter nicht etwa -
STADINGERwie's öftermalen schon geschah -
STADINGERwagt, zu verliebten Streichen
STADINGERsich hier ins Haus zu schleichen.
STADINGERDu treibst ihn fort; wenn er sich wehrt,
STADINGERso jagst du ihn mit Lanz' und Schwert.
STADINGERNun muss ich fort, denn in der Näh'
STADINGERhab ich Patienten liegen;
STADINGERdes Nachbars Sattelpferd ist krank
STADINGERund seine beiden Ziegen.
STADINGERIch bin der einz'ge in der Stadt,
STADINGERzu dem das Vieh Vertrauen hat.
STADINGERDrum ruh und raste ich auch nicht
STADINGERin der Erfüllung meiner Pflicht.
STADINGERTret ich vors Haus, ich will nur reden
STADINGERvon dem, was täglich mir passiert,
STADINGERso treff ich einen Quadrupeden,
STADINGERden meine Wissenschaft kuriert.
STADINGERIch flösse jedem, gross und klein,
STADINGERnebst Medizin auch Achtung ein -
STADINGERund alle, wo sie mich erblicken,
STADINGERsie möchten mich ans Herze drücken:
STADINGERDenn jegliche Physiognomie
STADINGERspricht: »Du gehörst fürs liebe Vieh!«
Es schlägt sieben Uhr
rufen
GESELLENFeierabend!
gesungen
GESELLENHorch, die Feierstunde schlägt,
GESELLENhinaus, hinaus ins Freie!
STADINGERHalt, nicht gleich so aufgeregt!
STADINGERHöret, dann sich jeder freue!
STADINGERMorgen ist der wicht'ge Tag,
STADINGERwo vor fünfundzwanzig Jahren
STADINGERgrosse Ehre ich erfahren,
STADINGERman zum Meister mich kreieret;
STADINGERdarum werd, wie sich's gebühret,
STADINGERich ein Fest auf morgen geben,
STADINGERfröhlich mit Gesang und Klang.
GESELLENUnser Meister, er soll leben
GESELLENnoch viele Jahre lang!
STADINGERJetzt zur Sache, denn für morgen
STADINGERist noch manches zu besorgen.
Zu jedem einzeln
STADINGERDu gehst sogleich hier nebenan,
STADINGERden Nachbar einzuladen;
STADINGERdu bittst den Vetter Schneider mir
STADINGERauf Wein und süssen Fladen;
STADINGERdu ladest mir den Richter ein
STADINGERauf Käse, Brot und Butter;
STADINGERdu bittest den Gerichtsvogt her
STADINGERmit seiner Schwiegermutter.
STADINGERDie andern Gäste, gross und klein,
STADINGERlud ich schon selber alle ein.
STADINGEREs kommt ein ganzer Haufen
STADINGERzum essen und zum -
spricht
GEORGAber Meister!
STADINGER- trinken;
STADINGERund alle sollen froh und fröhlich sein.
Zu einzelnen Gesellen
STADINGERDu gehst zum Nachbar,
STADINGERdu gehst zum Schneider,
STADINGERdu bittst den Richter,
STADINGERdu den Gerichtsvogt,
STADINGERdu zum Nachbar,
STADINGERdu zum Schneider,
STADINGERdu zum Vogte.
STADINGERDas soll ein Tag der Freude sein,
STADINGERsie alle sollen tanzen, sollen singen,
STADINGERsollen jubeln, sollen springen,
STADINGERalle sollen fröhlich sein.
GESELLENJa, gross und klein laden wir ein
GESELLENzum Tanzen, zum Singen,
GESELLENzum Jubeln, zum Springen!
GESELLENDas soll ein Tag der Freude sein!
Stadinger zur Mitte ab. Die Gesellen zu verschiedenen Seiten
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Der Graf. Georg
GEORGGott sei Dank, dass wir den alten Quacksalber los sind, wir haben gar mancherlei zu besprechen. Die alte Schachtel also - wollte sagen: das Fräulein - Eure Braut -
GRAFSo schweig doch mit deiner Braut; es kam mir nie in den Sinn, mich mit ihr zu verloben.
GEORGWas nützt das? Sie lässt Euch nicht aus dem Garne und wird alles aufbieten, Eure Pläne zu vereiteln. Sie ist bei unserem Verbündeten, dem Gastwirt, abgestiegen.
GRAFDesto besser, so können wir durch ihn erfahren, was sie im Schilde führt.
GEORGHerr Ritter, ich fürchte, dieser Brenner ist ein Spitzbube, er hält's mit jedem, der tüchtig zahlt.
Immerhin. Auf jeden Fall ist es Zeit, dem tollen Treiben ein Ende zu machen.
GEORGNun, es freut mich, dass Ihr es selbst einseht. O Herr Ritter, Ihr seid ein entsetzlicher Mensch.
GRAFBursche!
GEORGVersteht mich recht. Dass Ihr Euch in die Tochter eines Waffenschmieds verliebt habt, darin liegt nichts Entsetzliches, auch nicht, dass Ihr mich veranlasstet, meinen schlanken Leib in dies russige Wams zu stecken; aber dass Ihr mich verleitet habt, um Euretwillen meine Ehrlichkeit zum Teufel zu jagen, falsche Lehrbriefe zu schmieden, damit uns der Meister aufnehmen konnte, o Herr Ritter, diese Sünde lastet schwer auf Euch.
GRAFDu bist ein Narr!
GEORGEuer Kamrad bin ich und kein Narr.
GRAFGeorg!
GEORGLassen wir's gut sein. Nur noch das eine: Wollt Ihr das Mädchen heiraten?
GRAFFreilich will ich das.
GEORGUnd Euer alter Adel?
GRAFDie Liebe gleicht alles aus.
GEORGDie Liebe? Ach, bester Herr Ritter, wie mancher böse Bube hat schon seine schlechten Streiche auf ihre Rechnung geschrieben, der in seinem Leben nicht wusste, was Liebe ist.
will auf ihn los
GRAFElender, du erfrechst dich?
GEORGHe, Kamrad! Du wirst doch Spass verstehen. Verzeiht, es war ein dummer Scherz. Also ernsthaft: Glück auf, Herr Ritter! Mögen sich immerhin Eure Vorfahren den Knebelbart ausraufen, Ihr macht Euch und Euer Weib glücklich. Nun aber: Euer Plan?
GRAFMorgen tret ich vor den Alten als Graf von Liebenau und begehre offen und ehrlich seiner Tochter Hand.
GEORGDas lasst Euch vergehen.
GRAFWarum?
GEORGWeil der alte Pferdedoktor alles hasst, was Ritter heisst.
GRAFDu meinst die Geschichte mit seinem Weibe?
GEORGNun freilich. Sie liess sich eines schönen Abends von einem Geharnischten entführen, daher seine Wut.
GRAFIch werde mein Heil versuchen! Heute abend will ich als Ritter die Treue meines Mädchens noch einmal auf die Probe stellen; denn betrügt sie den Schmiedegesellen Konrad, so betrügt sie auch den Ritter Liebenau.
GEORGIst denn das nicht einerlei, ob sie Euch als Ritter oder als Schmied liebt?
GRAFSie liebt mich als Ritter und als Schmied, folglich zwei, und ein Weib soll nur einen lieben.
GEORGSie liebt ja auch nur einen.
GRAFDas verstehst du nicht.
GEORGEs scheint mir auch so.
GRAFIch gehe, mich zu verwandeln, es ist spät.
lächelnd
GRAFDu wirst mich doch nicht mit Lanz' und Schwert empfangen, wenn ich zurückkehre?
achselzuckend
GEORGDes Meisters Gebot -
GRAFDu Spitzbube! Bin ich erst am Ziele meiner Wünsche -
GEORGDann, Herr Ritter -?
GRAFDann sollst du mich erkenntlich finden!
Er geht durch die Mitte ab
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Georg allein
GEORGDas will ich auch hoffen, denn obwohl ich meiner Profession nach eigentlich vom Amboss stamme, so möchte ich doch all die Strapazen nicht umsonst mitgemacht haben! Jetzt will ich erst anfangen zu leben, zu geniessen! Das heisst aber: mit Verstand, nicht wild in den Tag hinein! Ich will mir das Leben schon angenehm machen!
SYSTEMNr. 2 - Arie
GEORGMan wird ja einmal nur geboren,
GEORGdarum geniesse jedermann
GEORGdas Leben, eh es noch verloren,
GEORGso viel als er nur immer kann.
GEORGDoch muss man, wahrhaft froh zu leben,
GEORGsich mit Verstand der Lust ergeben.
GEORGIch hab den Wahlspruch mir gestellt:
GEORGMan lebt nur einmal in der Welt!
GEORGDer keusche Joseph in der Bibel -
GEORGich führ ihn nur als Beispiel an -
GEORGer war von Aussehn gar nicht übel
GEORGund ein gar tugendhafter Mann.
GEORGDoch seine Keuschheit ganz alleine
GEORGhätt nimmer ihn mit Ruhm bedeckt -
GEORGdie Schlauheit half ihm auf die Beine!
GEORGDrum hab ich vor dem Mann Respekt.
GEORGEr lebt in Freuden,
GEORGvon allen Seiten
GEORGward Gold und Weihrauch ihm gestreut.
GEORGEr war gescheit!
GEORGMan wird ja einmal nur geboren,
GEORGdarum geniesse jedermann
GEORGdas Leben, eh es noch verloren,
GEORGso viel als er nur immer kann.
GEORGDoch muss man, wahrhaft froh zu leben,
GEORGsich mit Verstand der Lust ergeben.
GEORGIch hab den Wahlspruch mir gestellt:
GEORGMan lebt nur einmal in der Welt!
GEORGMan hat schon in den frühsten Tagen
GEORGdurch List und Schlauheit viel erreicht;
GEORGwenn auch die Leute immer sagen,
GEORGden Dummen sei das Glück geneigt.
GEORGDie Dummheit bietet selten Zinsen,
GEORGsonst leistete ja Esau nicht
GEORGfür eine Schüssel dicker Linsen
GEORGauf seine Erstgeburt Verzicht.
GEORGViel Leute leben ohne Sorgen
GEORGso grad nur in den Tag hinein;
GEORGich will geniessen,
GEORGjedoch auch wissen,
GEORGwarum ich mich der Lust geweiht.
GEORGDarum gescheit!
GEORGNur stets gescheit!
GEORGMan wird ja einmal nur geboren,
GEORGdarum geniesse jedermann
GEORGdas Leben, eh es noch verloren,
GEORGso viel als er nur immer kann.
GEORGDoch muss man, wahrhaft froh zu leben,
GEORGsich mit Verstand der Lust ergeben.
GEORGIch hab den Wahlspruch mir gestellt:
GEORGMan lebt nur einmal in der Welt!
Er geht ab
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Brenner, den Ritter Adelhof hereinführend
BRENNERBelieben Euer hochfreiherrlichen Gnaden nur hereinzuspazieren.
ADELHOFHier also wohnt der Waffenschmied?
BRENNERHans Stadinger, berühmter Waffenschmied und ausgezeichneter Tierarzt; wollen Euer Gnaden von seinen Talenten Gebrauch machen - von seinen Waffen und Harnischen - meine ich.
ADELHOFDazu kann Rat werden. Eigentlich aber bin ich aus andern Gründen da - Er ist verwandt mit dem Waffenschmied?
BRENNEREuer Gnaden aufzuwarten, sein leiblicher Schwager. Seine Frau nämlich -
ADELHOFSchon gut! Der Waffenschmied hat eine schöne Tochter! He?
BRENNEROh! Ein wahrer Apollo, wie die Gelehrten sagen.
ADELHOFBefindet sich unter den Gesellen hier im Hause einer namens Konrad?
BRENNERKonrad? Ganz recht! Für sich. Wo will denn das hinaus?
ADELHOFEs soll ein hübscher Bursche sein?
BRENNERDas will ich meinen. Für sich. Dahinter steckt etwas!
ADELHOFDer Bursche und das Mädchen lieben sich?
BRENNERJa - ich weiss nicht - man munkelt so etwas.
ADELHOFIch hab's für gewiss gehört. Sie sollen sich heiraten.
BRENNERWie? Sie sollen -?
ADELHOFIch bin beauftragt, die Verbindung zustande zu bringen.
BRENNERAusserst schmeichelhaft für das junge Paar, aber wie versteh ich denn -
ADELHOFIch will mich deutlicher ausdrücken, damit Ihm die Sache klar wird. Ich bin der Ritter Adelhof aus Schwaben.
BRENNERAh, sehr erfreut; schöne Gegend! Das Schwaben meine ich.
ADELHOFDie Dame, die ich begleite, ist das Fräulein von Katzenstein; meine Zukünftige.
BRENNERGratuliere untertänigst.
ADELHOFUnd diese meine Braut ist es, welche die Heirat wünscht.
BRENNERDas gnädige Fräulein haben also die Passion, herumzureisen, um junge Paare glücklich zu machen.
ADELHOFDas wohl auch nebenbei, aber - Er scheint mir eine ehrliche Haut, mit Ihm kann man von der Leber weg reden.
vertraulich
ADELHOFKennt Er den Grafen von Liebenau?
für sich
BRENNERAha!
laut
BRENNERVersteht sich, wer wird den nicht kennen.
ADELHOFNun, sieht Er, der hatte früher auf mein Fräulein -
BRENNERJawohl, ich erinnere mich -
etwas stutzig
ADELHOFWas?
verlegen
BRENNERNun, er hatte früher - auf das Fräulein geschimpft.
ADELHOFIm Gegenteil, er hatte ein Auge auf sie.
BRENNERRichtig, so war's.
ADELHOFDas Fräulein aber gab ihm einen Korb.
für sich
BRENNERUmgekehrt wird ein Schuh draus.
ADELHOFWas sagt Er vom Schuh?
BRENNERIch sage: mein Nachbar, der Schuster, hat mir die Geschichte erzählt.
ADELHOFNun hat das Fräulein erfahren, dass der Ritter Liebenau dem jungen Mädchen hier im Hause nachstellt; ein leichtsinniger Zeisig soll er sein -
BRENNERDafür bekannt.
ADELHOFMein Fräulein aber, die Sittenhaftigkeit selbst, kann solchen Unfug nicht zugeben, darum wünscht sie, dass der Geselle Konrad -
BRENNEREiligst und schleunigst das Mädchen heirate, verstehe. - Ist das Fräulein auch aus Schwaben?
ADELHOFNein. Warum?
BRENNERIch meine nur. Die Sache ist wirklich äusserst schlau ausspekuliert; denn wenn der Geselle Konrad das Mädchen heiratet, so ist der Ritter -
lachend
ADELHOFGeprellt!
ebenso
BRENNERUnd wie! Er muss mit langer Nase abziehen. -
Beide lachen
BRENNERDie Hauptsache ist aber nun, dass wir den Alten für die Heirat gewinnen.
ADELHOFDeswegen bin ich ja hier. Und wenn Er meine Sache unterstützen will, so gibt Ihm das Fräulein hier im voraus -
Er gibt ihm eine Börse
BRENNERDie edle Dame besitzt eine ausgezeichnete Bildung - untertänigsten Dank - Wollen Eure Gnaden sich hier etwas auswählen, während ich den Alten rufe -
wendet sich nach dem Hintergrunde, die Waffenstücke musternd
ADELHOFSieh, sieh! Die Ware scheint nicht schlecht!
im Vordergrunde für sich
BRENNERNun bin ich im klaren. Das Fräulein ist aus Eifersucht unserm Grafen nachgereist, und, um sich seinen Besitz zu sichern, soll nun - die Sache ist sehr komisch - hahaha! - Und dieser schlaue Kundschafter - o guter Schwabe, du scheinst mir ein sehr dummer Schwabe.
BRENNEREr will lachend zur Seite ab.
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Irmentraut
Brenner entgegen und sehr geschwätzig
IRMENTRAUTSchönsten guten Abend, verehrtester Herr Brenner. Er sucht den Meister Stadinger, aber alles ausgeflogen, alles ins Freie. Der Abend ist zu schön, kein Wölkchen am Himmel, kein Lüftchen weht, ich ginge gar zu gern auch noch ein wenig ins Grüne, aber du lieber Gott, man hat zu viel zu tun, der letzte Tag in der Woche, das ganze Hauswesen ruht auf mir - morgen ist Sonntag -
leise zu Brenner
ADELHOFIst dies die Tochter vom Hause?
BRENNERDas weniger.
fortfahrend
IRMENTRAUTMorgen ist Sonntag, dazu das Fest, welches er morgen veranstaltet draussen auf dem Weinberge -
zu Brenner
IRMENTRAUTach, Er war wohl lange nicht draussen - der Weinberg ist viel grösser - der Alte kaufte doch im vorigen Jahre -
BRENNERJa, doch, Jungfrau Irmentraut, ich kenne die ganze Geschichte. - Also mein Schwager ist nicht daheim?
IRMENTRAUTNicht daheim! Die Unpässlichkeit der lieben Tiere macht ihm jetzt viel zu schaffen. Des Herrn Nachbars ganze Familie vierfüssigerseite befindet sich -
zu Adelhof
BRENNERJa, Euer Gnaden, da bleibt uns nichts andres übrig als wiederzukommen.
ADELHOFDumm, dumm, dumm! Ich hätte so gern dem Fräulein heute schon -
BRENNERMorgen ist auch noch ein Tag.
IRMENTRAUTEi freilich, morgen ist auch noch ein Tag und welcher Tag; es heisst freilich, was du heute tun kannst, verschiebe nicht auf morgen, aber wenn die Notwendigkeit -
BRENNEREben deshalb - Guten Abend, Jungfrau Irmentraut. - Wenn es Euer Gnaden gefällig wäre -
IRMENTRAUTEuer Gnaden sind gewiss ein Fremder, wollen die Merkwürdigkeiten unsrer Stadt in Augenschein nehmen - oh, Sie werden überrascht sein. Wir haben sechstausend Einwohner, die Gegend ist etwas sumpfig, aber fruchtbar. Hier in der Nähe der Liebfrauenkirche der edle Wein, Liebfrauenmilch genannt, Euer Edlen werden ihn wohl kennen -
im Abgehen
ADELHOFDie Person hat ja ein beispielloses Mundwerk.
ebenso
BRENNERAlso auf Wiedersehen! Bis morgen, bis morgen!
Adelhof und Brenner gehen ab
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Irmentraut allein
IRMENTRAUTDas ist ein recht ungehobelter Klotz, dieser Herr Euer Gnaden; hat er nur ein einziges freundliches Wörtchen mit mir gesprochen? Was haben die Männer jetzt für Sitten, wenn sie einer zarten Jungfrau gegenüberstehen! Wie anders waren sie zu meiner Zeit - vor einigen Jahren noch, will ich sagen - aber es ist, als ob sich die Welt rein umgedreht hätte.
SYSTEMNr. 3 - Ariette
IRMENTRAUTWelt, du kannst mir nicht gefallen,
IRMENTRAUThast dich förmlich umgekehrt,
IRMENTRAUTvon den heut'gen Männern allen
IRMENTRAUTist auch keiner etwas wert.
IRMENTRAUTIch trete ein
IRMENTRAUTmit Schüchternheit,
IRMENTRAUTdoch sie verliert sich mehr und mehr;
IRMENTRAUTder grobe Mann
IRMENTRAUTsieht mich nicht an,
IRMENTRAUTals ob ich alt und hässlich wär.
IRMENTRAUTIch sag ihm
IRMENTRAUTund sehr gemessen,
IRMENTRAUTwas man hier Sehenswertes nennt;
IRMENTRAUTer dankt mir nicht,
IRMENTRAUTläuft wie besessen
IRMENTRAUTzur Tür, als ob der Kopf ihm brennt.
IRMENTRAUTO holde Schwestern ihr,
IRMENTRAUTdie ihr Gefühl gleich mir,
IRMENTRAUTheisst das nun Achtung, sprecht,
IRMENTRAUTvorm zarteren Geschlecht?
IRMENTRAUTO Welt, o Welt!
IRMENTRAUTWelt, du kannst mir nicht gefallen,
IRMENTRAUThast dich förmlich umgekehrt,
IRMENTRAUTvon den heut'gen Männern allen
IRMENTRAUTist auch keiner etwas wert. -
IRMENTRAUTIn früheren Zeiten
IRMENTRAUTnaht man bescheiden
IRMENTRAUTstets einer zarten Jungfrau sich,
IRMENTRAUTund man war selig,
IRMENTRAUTentspann allmählich
IRMENTRAUTsich ein Gespräch fein sittiglich.
IRMENTRAUTMan sprach vom Wetter,
IRMENTRAUTvon teuren Zeiten,
IRMENTRAUTund nach und nach, jedoch ganz fein,
IRMENTRAUTwusst man gar zart
IRMENTRAUTvorzubereiten
IRMENTRAUTvon Lieb' ein einzig
winzig
IRMENTRAUTWörtelein.
IRMENTRAUTMan reichte abgewandt
IRMENTRAUTdem Flehenden die Hand;
IRMENTRAUTer drückte, küsste sie,
IRMENTRAUTsank vor uns auf die Knie,
IRMENTRAUTund dann - und dann -
Verschämt ihre Schürze vor die Augen haltend
IRMENTRAUTWelt, du kannst mir nicht gefallen,
IRMENTRAUThast dich förmlich umgekehrt,
IRMENTRAUTvon den heut'gen Männern allen
IRMENTRAUTist auch keiner etwas wert.
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Irmentraut. Marie
MARIEIrmentraut, bist du allein?
IRMENTRAUTJa doch, mein Herzchen, komm nur.
MARIEIst der Ritter noch nicht hier?
IRMENTRAUTHeutzutage sind die Liebhaber nicht mehr wie sonst. Aber er kommt gewiss, er hat mir's sagen lassen.
MARIEIch hätte doch nicht einwilligen sollen.
IRMENTRAUTNicht einwilligen sollen, da muss ich lachen! Ich weiss, wie wir Mädchen sind, ich habe mich oft gesträubt, aber es hat nichts geholfen. Das weiss ich besser.
MARIEDu weisst immer alles besser. Weisst du, warum ich den Ritter noch einmal sprechen will?
IRMENTRAUTIhm ein Liebeszeichen zu geben, ein Ringelchen oder so etwas dergleichen, und - das wird ihm gar nicht unangenehm sein, wie dein Vater immer zu sagen pflegt.
MARIENicht doch, den Abschied will ich dem Ritter geben, denn er ist ein böser Mensch, der keine guten Absichten haben kann.
IRMENTRAUTAber Engelskind, will er dich denn nicht heiraten? Kann ein Mann bessere Absichten haben?
MARIEMein Vater will mich ihm aber nicht geben - und ich habe mir's wohl überlegt, der Vater hat recht.
IRMENTRAUTAber der Ritter ist ein so schöner, artiger Herr!
MARIESchön? Und hast ihn, wie ich, nur immer nachts gesehen.
IRMENTRAUTStill! - Das ist des Ritters Tritt! Freudig. Er kommt, er kommt!
Sie eilt ihm entgegen und öffnet ihm die Tür
MARIEAch, lieber Gott, mir wird angst und bang!
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Graf als Ritter in einen Mantel gehüllt
SYSTEMNr. 4 - Finale
GRAFBei nächt'gem Dunkel
GRAFschleich ich herein,
GRAFDank, holdes Mädchen,
GRAFdu harrest mein.
GRAFWas darf ich hoffen,
GRAFwas fürchten, sprich:
GRAFSchlägt, Heissgeliebte,
GRAFdein Herz für mich?
beiseite
MARIEIch weiss vor Angst kein Wort zu sagen.
MARIEIch zittre wie ein Espenlaub.
GRAFDu schweigst?
leise zum Grafen
IRMENTRAUTNur stille, ich will fragen!
zu Marie
IRMENTRAUTSo hör doch, Kind, bist du denn taub?
mit tiefem Knicks
MARIEHerr Graf -
IRMENTRAUTNicht gar so untertänig.
GRAFEin süsses Wort der Liebe nur.
leise zum Grafen
IRMENTRAUTEs kommt, sie ziert sich nur ein wenig,
IRMENTRAUTdas liegt in unserer Natur,
IRMENTRAUTdas liegt uns Mädchen in der Natur.
MARIEIch weiss vor Zagen
MARIEkein Wort zu sagen,
MARIEwenn auch sein Mund mir Treue schwört.
MARIESoll ich bekennen,
MARIEden Namen nennen
MARIEdes Teuren, dem mein Herz gehört?
GRAFSie weiss vor Zagen
GRAFkein Wort zu sagen,
GRAFob auch mein Mund ihr Treue schwört.
GRAFMöcht sie bekennen,
GRAFden Namen nennen
GRAFdes Teuren, dem ihr Herz gehört?
IRMENTRAUTSie weiss vor Zagen
IRMENTRAUTkein Wort zu sagen,
IRMENTRAUTob auch sein Mund ihr Treue schwört.
IRMENTRAUTNur frisch bekennen,
IRMENTRAUTden Namen nennen
IRMENTRAUTdes Teuren, dem dein Herz gehört.
IRMENTRAUT's wird besser euch vom Munde fliessen,
IRMENTRAUTwenn ihr allein -
MARIENein, nein, du bleibst da.
IRMENTRAUTIch will ja Öl nur auf die Lampe giessen.
MARIEIch schreie: Feuer! Feuer!
IRMENTRAUTJa doch, ja.
GRAFIhr bleibt!
IRMENTRAUTJa doch, ich will nicht weichen.
GRAFMarie, teures Mädchen, sprich
GRAFund ende dieses bange Schweigen!
zu Marie
IRMENTRAUTSei doch nicht gar so zimperlich.
leise zu Irmentraut
MARIESag ihm -
IRMENTRAUTWas denn?
MARIEEr soll gewähren
MARIEein Zeichen seiner Liebe mir -
eilt zum Grafen
MARIEBleib doch!
leise zum Grafen
IRMENTRAUTSie will sich mir erklären.
GRAFIm Ernst?
IRMENTRAUTIch stehe gut dafür.
leise zu Irmentraut
MARIEHör doch! Will er mir das gewähren,
MARIEso soll er mich verlassen gleich.
IRMENTRAUTWie?
zu Irmentraut
GRAFNun?
IRMENTRAUTSie ist noch beim Erklären,
IRMENTRAUTbald ist sie fertig, freuet Euch!
für sich
GRAFMein Argwohn schwindet.
GRAFDies Schweigen kündet,
GRAFdass sie nur einen, einen liebt.
MARIEIch weiss vor Zagen
MARIEkein Wort zu sagen,
MARIEwenn auch sein Mund mir Treue schwört.
MARIESoll ich bekennen,
MARIEden Namen nennen
MARIEdes Teuren, dem mein Herz gehört?
GRAFSie weiss vor Zagen
GRAFkein Wort zu sagen,
GRAFob auch mein Mund ihr Treue schwört.
GRAFMöcht sie bekennen,
GRAFden Namen nennen
GRAFdes Teuren, dem ihr Herz gehört?
IRMENTRAUTSie weiss vor Zagen
IRMENTRAUTkein Wort zu sagen,
IRMENTRAUTob auch sein Mund ihr Treue schwört.
IRMENTRAUTNur frisch bekennen,
IRMENTRAUTden Namen nennen
IRMENTRAUTdes Teuren, dem dein Herz gehört.
sich ein Herz fassend
MARIEHerr Graf, ich muss Euch frei gestehen -
zum Grafen
IRMENTRAUTEs kommt, es kommt.
zu Marie
IRMENTRAUTNur dreist und nicht verzagt.
MARIEIch darf Euch ferner nicht mehr sehen -
MARIEmein Herz - mein Herz ist schon versagt.
IRMENTRAUTKind, bist du toll? Was fällt dir ein?
GRAFWillst du mich der Verzweiflung weihn?
GRAFDu lässt mich kalt von hinnen scheiden,
GRAFmisstraust der Treue Schwur?
GRAFO gönne mir als Trost im Leiden
GRAFden Schein der Hoffnung nur!
GRAFVerschmähst du, weil ich vornehm bin,
GRAFnur meines Herzens Triebe?
GRAFGern gäb ich Glanz und Reichtum hin
GRAFfür dich, für deine Liebe!
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Georg eilig
GEORGDer Meister!
MARIEDer Vater!
IRMENTRAUTDer Meister!
GEORGDass ihn der Teufel hol!
zum Grafen
MARIEEntfernt Euch! Entfernt Euch!
zu Marie
GRAFDas letzte Lebewohl!
reicht ihm die Hand
MARIEIRMENTRAUT, MARIE und GEORG.
MARIEEntfernt Euch! Fort! Fort!
stösst von aussen den Fensterladen auf
STADINGERAlle Teufel! Der Ritter!
STADINGERHe, Konrad! Georg!
STADINGERWo stecken die Schlingel?
entfernt sich durch die Seitentür
nimmt eine lange Lanze und sticht überall herum, als ob er den Grafen verfolge
GEORGReisst aus! Reisst aus!
GEORGIch spiess Euch auf!
GEORGSTADINGER und GESELLEN
kommen von verschiedenen Seiten
SYSTEMELFTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Graf. Stadinger. Gesellen
GESELLENWas ist geschehen? Was soll das Schrein?
GESELLENFangt auf den Dieb! Fangt auf, fangt auf!
zu Georg
STADINGERHagel und Wetter!
STADINGERDu dummer Tölpel,
STADINGERdu liessest den Ritter
STADINGERja doch hinein.
GEORGEr kam soeben -
GEORGMARIE und IRMENTRAUT
GEORGEr kam soeben.
ihnen nachäffend
STADINGEREr kam soeben -
STADINGERGesindel, wollt ihr wohl ruhig sein?
STADINGEREr ist nicht hinaus -
STADINGERdurchsucht das Haus -
STADINGERrührt eure Beine!
STADINGERNicht so faul!
teilen sich nach verschiedenen Seiten
MARIEAch, lieber Vater!
IRMENTRAUTAch, lieber Meister!
STADINGERStill, altes Plappermaul!
ausser sich
IRMENTRAUTPlappermaul!
zu Marie
STADINGERDu kommst ins Kloster!
MARIEAch, lieber Vater!
zu Irmentraut
STADINGERSie aus dem Haus!
gekränkt
IRMENTRAUTEin altes Plappermaul!
leise zu Georg
MARIEWo ist der Ritter?
ebenso
IRMENTRAUTIst er hinaus?
ebenso
GEORGZum Fenster.
MARIEGott sei Dank!
MARIENein, nun darf er nie mehr wagen,
MARIEdieser Pforte kühn zu nahn.
IRMENTRAUTAch, nun wird er nie mehr wagen,
IRMENTRAUTdieser Pforte kühn zu nahn.
GEORGDoch er wird sich ohne Zagen
GEORGbald der Pforte wieder nahn.
STADINGERHa, er soll es nie mehr wagen,
STADINGERdieser Pforte kühn zu nahn.
sammeln sich wieder
STADINGERNichts gefunden?
GESELLENKeine Maus!
STADINGERWo ist der Konrad?
GESELLENNicht zu Haus!
sich stellend, als ob er eben erst von der Seite aufträte
GEORGDer liegt schon längst in süsser Ruh'.
verwundert
STADINGEREr schläft?
MARIEEr schläft?
STADINGERSchlafmütze du!
STADINGERIch will nun auch zur Ruhe gehn,
STADINGERum mit dem Frühsten aufzustehn
STADINGERund meinem Hause Ruh' zu schaffen
STADINGERvor diesem Liebenauer Grafen.
spöttisch
GESELLENGraf Liebenau? Schau, schau!
MARIEO verzeiht nur einmal noch.
zu Marie und Irmentraut
STADINGERMarsch zu Bett!
IRMENTRAUTPlappermaul!
zu den Gesellen
STADINGERGute Nacht!
GESELLENGute Nacht!
entfernen sich nach verschiedenen Seiten. Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer und dunkel
öffnet dann leise die Seitentür und tritt mit der Lampe leise wieder herein
SYSTEMZWÖLFTER AUFTRITT
Marie allein
SYSTEMRezitativ und Arie
schleicht nach Konrads Kammer und horcht
MARIEEr schläft! Wir alle sind in Angst und Not,
MARIEund er kann schlafen, das begreif ich nicht.
MARIEAch, er fühlt nicht wie ich, sonst müsst er ahnen,
MARIEdass ich ihm nahe bin, dass ich mich sehne,
MARIEne gute Nacht aus seinem Mund zu hören.
MARIEEr ist so gut, so brav und bieder,
MARIEsein redlich Herz find't man nicht mehr;
MARIEwie er beglückt mich keiner wieder,
MARIEund wenn's der König selber wär!
MARIEReichtum allein tut's nicht auf Erden,
MARIEdas ist nun einmal weltbekannt;
MARIEmit Konrad kann ich glücklich werden,
MARIEer gilt mir mehr als Kron' und Land.
MARIEWie wär's, wenn ich ihn weckte? Gar zu gern
MARIEmöcht ich ein süsses Wort mit ihm noch plaudern.
Sie geht an die Tür, klopft und ruft leise
MARIEKonrad!
lauter
MARIEKonrad!
ärgerlich und laut rufend
MARIEKonrad! Du Murmeltier!
Sie erschrickt
MARIEWie unvorsichtig! Wenn man mich gehört!
Sie schleicht auf den Zehen zu den anderen Türen und horcht
MARIENein, Gott sei Dank, 's ist alles still geblieben.
MARIEOb wohl der Ritter glücklich heimgekehrt?
Sie öffnet leise den Fensterladen im Hintergrunde. Man erblickt die Gegend im Mondenschein.
MARIEO schöne Nacht, wie hell die Sternlein flimmern!
Sie erschrickt
MARIETäusch ich mich nicht, so stehet dort am Baume
MARIEder Ritter noch, im Mantel eingehüllt.
Sie riegelt schnell den Laden zu und stellt sich mit dem Rücken dagegen, als wolle sie ein Eindringen verhüten, dann sieht sie durch die Spalte
MARIEEin art'ger Herr ist's freilich, schlank und fein,
MARIEund zu beneiden mag die Dame sein,
MARIEdie er zur Gattin sich erwählt.
MARIE's mag freilich nicht so übel sein,
MARIEzu wohnen in 'nem schönen Schloss,
MARIEzu sagen: Feld und Wald sind mein,
MARIEund mir gehorcht der Diener Tross.
MARIEZu thronen beim Turniere
MARIEinmitten schöner Fraun
MARIEund hoch von dem Altane
MARIEvoll Huld hinab zu schaun,
MARIEwie sie die Lanzen brechen
MARIEbeim Schalle der Trompeten,
MARIEwie sie sich hauen, stechen,
MARIEbis einer Sieger ist;
MARIEman winket dann dem Tapfern
MARIEmit wohlgefäll'ger Mien'
MARIEund reicht mit schönen Worten
MARIEden Ehrenkranz ihm hin.
MARIEMan spricht - man spricht:
MARIEHier, lieber tapfrer Rittersmann,
MARIEsei Euch mein schönster Dank gebracht,
MARIEich schaut Euch mit Vergnügen an,
MARIEIhr habt's recht gut gemacht.
MARIEDann zum Bankett,
MARIEzum reichen Mahl
MARIEim goldnen Saal
MARIEbeim Kerzenschein!
MARIEDas muss 'ne wahre Wonne sein!
Pause
MARIEWas ficht dich an, du töricht Mädchen?
MARIEDein kind'scher Sinn führt dich zu weit!
MARIEReichtum allein tut's nicht auf Erden,
MARIEdas ist nun einmal weltbekannt;
MARIEmit Konrad kann ich glücklich werden,
MARIEer gilt mir mehr als Kron' und Land.
Sie nimmt die Lampe, und sich nach seiner Tür wendend, singt sie im Abgehen
MARIESo schlummre sanft, du Trauter, du,
MARIEdir wünscht dein Liebchen süsse Ruh'!
MARIESchlummre sanft! Schlummre sanft!
Der Vorhang fällt langsam
SYSTEMENTR'ACT
SYSTEMZWEITER AKT
Ein einfaches Zimmer in Stadingers Wohnung mit Mittel- und Seitentüren
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Graf als Schmiedegeselle. Dann Marie
GRAFIch weiss in der Tat nicht, wie ich mich bis zur Zeit der Entdeckung gegen Marie benehmen soll. Am besten ist's, ich plage sie mit Eifersucht, vielleicht gesteht sie mir bei der Gelegenheit, was sie gestern abend mit dem Ritter - mit mir nämlich - gesprochen hat. Da ist sie! - Frisch, Konrad, sei eifersüchtig.
von der Seite auftretend und ängstlich auf Konrads Anrede wartend
MARIEGuten Morgen, Konrad.
sich verdriesslich stellend
GRAFMorgen!
MARIEBist du schon auf, Konrad?
GRAFSchon lange!
MARIEBist du heute schon ausgewesen?
GRAFNein!
MARIEDu kommst doch heute hinaus auf den Weinberg?
GRAFMöglich
MARIEDu Brummbär, du!
Sie wendet sich schnell zum Abgehen
GRAFTreibt Euch das böse Gewissen oder habt Ihr dem Ritter eine andere Liebesstunde gegeben?
MARIEKonrad, mach mich nicht böse!
GRAFIch bin unwürdig Eures Zorns, gestrenge Rittersfrau.
MARIEMeinen Zorn verdienst du, aber meine Liebe nicht.
GRAFKönnt Ihr's leugnen, dass Ihr mit dem Ritter gestern eine Unterredung hattet?
MARIENein, und ich werde noch recht oft mit ihm reden!
GRAFWie?
SYSTEMNr. 5 - Duett
GRAFIhr wisst, dass er Euch liebt?
MARIEJa!
GRAFDass er verwegen ist -
MARIEJa!
GRAFDass er Euch auch entführen kann
GRAFgewaltsam wie durch List?
MARIEJa, ja, ja, ja!
GRAFDarf ich den Ohren trauen?
MARIEDer Ritter ist ein schöner Mann,
MARIEder Ritter ist ein reicher Mann,
MARIEder Ritter ist ein art'ger Mann,
MARIEden ich vor allen leiden kann -
MARIEdenn, wenn ich mit ihm reden tu,
MARIEso hört er aufmerksam mir zu
MARIEund liegt nicht da und schläft!
MARIEVerstanden? Verstanden?
MARIENun geh, lass mich in Ruh'.
GRAFDoch warum die Ärmste quälen,
GRAFihr bereiten diese Pein?
GRAFSie wird mich wahrlich schmälen,
GRAFmir im Ernste böse sein!
MARIESo mit Eifersucht sich quälen,
MARIEwär ein Leben voller Pein.
MARIELieber niemals sich vermählen,
MARIElieber alte Jungfer sein!
Sie setzt sich weinend an den Tisch.
MARIESo bitter die zu kränken,
MARIEdie ihm ihr Herz geweiht.
für sich
GRAFAllmählich einzulenken,
GRAFist nun bald an der Zeit.
MARIEWie gern vergäb ich ihm,
MARIEbereut' er sein Vergehn.
für sich
GRAFJa bald, bald sollst du mich
GRAFzu deinen Füssen sehn.
aufstehend
MARIEIch glaub, er kommt,
MARIEdas dacht ich mir.
sich nähernd
GRAFEs tut mir leid,
GRAFich ging zu weit:
GRAFDoch Eifersucht
GRAFkennt keine Schranken.
beiseite
MARIEIch glaub, er kommt
Er gibt klein bei
MARIEund muss zuletzt
MARIEfür gnäd'ge Strafe
MARIEsich bedanken.
GRAFDoch warum die Ärmste quälen,
GRAFihr bereiten diese Pein?
GRAFSie wird mich wahrlich schmälen,
GRAFmir im Ernste böse sein!
MARIESo mit Eifersucht sich quälen,
MARIEwär ein Leben voller Pein.
MARIELieber niemals sich vermählen,
MARIElieber alte Jungfer sein!
GRAFWas sprachst du mit dem Ritter?
GRAFDies eine sage mir.
MARIEJe nun, wir sprachen - vom Wetter,
MARIEvon diesem und von jenem,
MARIEvon ganz gleichgült'gen Dingen,
MARIEwir sprachen auch von dir.
für sich
GRAFDie Hexe, wie sie lügt.
für sich
MARIEDen Stich hat er verstanden.
MARIEEr schweigt, drum hoffe ich,
MARIEist Besserung vorhanden.
GRAFDu sagtest ihm - du sagtest ihm -
MARIEDass ich mein Herz bereits verschenkt
MARIEan einen Undankbaren,
MARIEder mich nur quält und kränkt
MARIEund den ich dennoch liebe,
MARIEund wenn er mich auch quält -
MARIEdas hab ich ihm erzählt.
sich vor ihr niederwerfend
GRAFMarie, süsses Leben,
GRAFo kannst du mir vergeben
GRAFdas unbedachte Wort?
MARIEDa liegt er ja, das wusste ich,
MARIEdas musste auch so kommen.
Mit Pathos
MARIESeid wiederum, Herr Waffenschmied,
MARIEin Gnaden angenommen.
GRAFDu zürnst nicht mehr?
MARIEIch denk nicht dran!
GRAFDu wirst mein Weib?
MARIEUnd du mein Mann!
GRAFIch bin so arm -
MARIEBin ich denn reich?
GRAFDein Vater doch -
MARIEDas bleibt sich gleich.
MARIEUnd wär ich noch so hochgestellt,
MARIEBesäss ich alles Gut der Welt -
MARIEGern gäb ich Glanz und Reichtum hin
MARIEfür dich und deine Liebe!
für sich
GRAFAha, das ist von mir!
MARIEFür dich und deine Liebe!
sich umarmend
BEIDEWo der Liebe Flammen brennen,
BEIDEstellt auch Eifersucht sich ein;
BEIDEdoch soll keine Macht uns trennen,
BEIDEkeine Zwietracht uns entzwein.
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Irmentraut
IRMENTRAUTAll ihr Heiligen! Was muss ich sehen?
IRMENTRAUTGRAF und MARIE
IRMENTRAUTO weh!
IRMENTRAUTSo, mein feines Jüngferchen, wo es sich um Ihre Zukunft, Ihr Glück handelt, spielt Sie die Spröde, die Zimperliche, lässt sich aber von den Gesellen Ihres Vaters herzen und küssen, dass es eine Freude ist.
IRMENTRAUTGRAF und MARIE
IRMENTRAUTAber liebe Irmentraut!
IRMENTRAUTJungfrau Dorothea Scholastika Irmentraut bin ich für Ihn, Er küsseriger Schmiedegeselle. Und Sie, Jüngferchen, macht mir Vorwürfe, weil ich ein Verständnis begünstige, das Ihr nur Glanz und Ehre bringen kann, und nun muss ich sehen, dass Sie sich wegwirft! He? Und ich soll nicht Zeter schrein!
verletzt
MARIEWegwirft?
GRAFRuhig, Marie! - Liebe Jungfrau Irmentraut!
Halb für sich
GRAFWenn ich nur Geld bei mir hätte!
plötzlich besänftigt
IRMENTRAUTWas sagt Er vom Gelde?
GRAFLeider hab ich keins!
laut
IRMENTRAUTUnd ich soll nicht schrein? Meister Stadinger, Euer Kind wird verführt!
GRAFVergebe Sie mir nur diesmal meine Verwegenheit, ich habe Sie so lieb - Sie glaubt es nicht.
IRMENTRAUTDas tu ich auch nicht, denn Er hat mir nie einen Beweis davon gegeben. Warum, wenn Er mich wirklich lieb hat - küsst Er mich denn nicht? Ich bin ein gesetzter, solider Gegenstand und weiss mich dabei zu benehmen.
GRAFDas will ich ja gern, wenn Sie mich nur diesmal nicht verraten will.
IRMENTRAUTDas lässt sich hören, denn - einen Kuss in Ehren kann niemand wehren. Also - da: küss Er mir die Hand.
GRAFMit tausend Freuden.
Er tut es
IRMENTRAUTSo! - Nun küss Er mir auch den Mund.
GRAFO weh!
MARIEAch, du armer Konrad!
GRAFWas will ich machen?
Er küsst Irmentraut mit Widerwillen
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Georg
GEORGGuten Appetit!
sich böse stellend
IRMENTRAUTDas probier Er noch einmal, Er Schlingel, mich mit Gewalt zu küssen. Oh, man ist vor den Zudringlichkeiten der Männer nirgends sicher!
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Stadinger
STADINGERWas ist denn hier für ein Geschrei? - He, Konrad, was war's?
GRAFIch weiss nicht.
STADINGERJawohl! - Er weiss nie etwas. Georg, sprich du.
GEORGIch sah nur, wie die Jungfer Irmentraut -
IRMENTRAUTWie die Jungfer Irmentraut dazu kam, als der Mosje Konrad Seiner Tochter einen Kuss applizierte.
STADINGERWie? Was? Ist das wahr?
GRAFWenn's denn nicht anders ist - ja, ich kann's nicht leugnen.
MARIEIch brachte ihm sein Frühstück und da -
GEORGGlaubt's nicht, Meister. Die Jungfer hat den Konrad geküsst.
STADINGERMeine Tochter?
auf Irmentraut zeigend
GEORGNein, die da!
MARIEJa, Vater, ich hab's gesehen!
IRMENTRAUTAbscheuliche Verleumdung. Ich brachte ihm neulich vom Markte 'nen süssen Fladen mit, und da-
STADINGERKüsste er sie heut dafür? Ich glaube, der Mensch küsst ums tägliche Brot.
Auf Irmentraut
STADINGERHier hab ich ihm nichts zu verbieten, denn der Geschmack ist verschieden in der Welt; aber bei meiner Tochter drück Er seinen Dank künftig anders aus, sonst marschiert Er aus dem Haus. Das muss Ihm aber nicht unangenehm sein.
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adelhof
ADELHOFKann ich den berühmten Waffenschmied Hans Stadinger sprechen?
STADINGERWas ist denn das für eine Figur?
leise zum Grafen
GEORGDas ist der Kundschafter des Fräuleins.
GRAFStill!
STADINGERIhr seht den Herrn des Hauses vor Euch. Was steht zu Euren Diensten?
ADELHOFFürs erste erlaubt, dass ich mich setze. Man gibt ihm einen Stuhl. Für sich. Ich muss die Sache schlau einfädeln. Laut. Ihr seid doch derselbe, der sich um das Wormser Tierreich so verdient gemacht hat?
geschmeichelt
STADINGERMan sagt so. Ich habe allerdings eine bedeutende Praxis. Erst gestern habe ich bei meinem Nachbar zwei Ziegen -
ADELHOFGanz recht.
Für sich
ADELHOFDas schmeichelt ihm. Nur immer schlau.
Laut
ADELHOFIhr habt ja auch eine schöne Tochter?
STADINGEREi, wie kommt denn der Herr mit einmal von des Nachbars Ziegen auf meine Tochter?
ADELHOFDas soll Euch gleich klarwerden -
Für sich
ADELHOFNur schlau.
Laut
ADELHOFKennt Ihr den Ritter Liebenau?
STADINGERAha! Will's da hinaus?
STADINGERMARIE und GRAF
STADINGERWas werd ich hören?
GEORGAha!
STADINGERNun, was soll's mit dem?
ADELHOFDer stellt Eurer Tochter nach.
lachend
STADINGERWas Ihr mir sagt! - Das ist mir etwas ganz Neues.
ADELHOFIch bin daher gekommen, um Euch zu warnen, denn der Ritter ist ein liederlicher Lump.
ADELHOFIRMENTRAUT und MARIE
ADELHOFDas ist nicht wahr!
auffahrend
GRAFHöll' und Teufel!
leise
GEORGHerr Ritter, mässigt Euch.
laut
GRAFWer hat ihn Euch so geschildert?
STADINGERRuhig, was geht denn das dich an?
den Grafen musternd
ADELHOFAha! Das ist ja wohl am Ende der Bewusste.
für sich
GRAFWär ich verraten?
STADINGERWollt Ihr mir nicht vor allen Dingen erklären, was Euch meine Tochter und mein Haus angehen?
ADELHOFDamit kann ich dienen. Ich will Eure Tochter verheiraten, denn ich habe einen Mann für sie.
ausser Adelhof
ALLEWas ist das?
SYSTEMNr. 6 - Sextett
ALLEMARIE, IRMENTRAUT, GRAF, GEORG und STADINGER
ALLEDer Mann scheint nicht bei Sinnen,
ALLEer tritt zur Tür herein
ALLEund will, seltsam Beginnen,
ALLEdes Hauses Vormund sein.
beiseite
ADELHOFMan hält mich für von Sinnen,
ADELHOFkaum trete ich hier ein,
ADELHOFwill ich, seltsam Beginnen,
ADELHOFdes Hauses Vormund sein.
STADINGERErklärt vor allem mir genau:
STADINGERWas tut hierher Euch führen?
ADELHOFDer Ritter Graf von Liebenau
ADELHOFwill Euer Kind verführen.
vortretend
GRAFDas ist nicht wahr.
STADINGERWas weisst denn du?
zum Grafen
GEORGSo schweigt doch!
GEORGMARIE und IRMENTRAUT.
GEORGKonrad hat recht.
zu Marie
STADINGERDu bist ganz stille zu Irmentraut und du auch.
zu Adelhof
STADINGERWer sendet Euch denn, sprecht?
ADELHOFDas, lieber, guter Mann,
ADELHOFgeht Euch hier gar nichts an.
STADINGERDen Teufel auch geht's mich was an.
MARIEHa, das begreife, wer es kann.
IRMENTRAUTHa, das begreife, wer es kann.
GRAFHa, das begreife, wer es kann.
ADELHOFNun ist ein Bursch' in Eurem Haus,
ADELHOFer soll sich Konrad nennen
ADELHOFund lange schon für Euer Kind
ADELHOFin heisser Lieb' entbrennen.
ADELHOFMARIE, GRAF und GEORG.
ADELHOFO weh!
STADINGERZum Kuckuck, ist das wahr?
ADELHOFJa, ja, die Sach' ist richtig.
STADINGERWie? Was?
STADINGERMARIE, GRAF und GEORG
zu Adelhof
STADINGERWas wisst denn Ihr?
zu Stadinger
IRMENTRAUTEr hat ganz recht,
IRMENTRAUTlest ihm den Text nur tüchtig.
STADINGERIch werde stumm.
STADINGERMARIE, GRAF und GEORG
STADINGERWas weisst denn du?
ADELHOFSie lieben sich.
IRMENTRAUTSie lieben sich.
STADINGERVor Wut möcht ich ersticken!
ADELHOFSie küssen sich.
IRMENTRAUTSie küssen sich.
STADINGERUnd hinter meinem Rücken!
STADINGERSehr nett, sehr fein,
STADINGERmein sittsam Töchterlein!
STADINGERDoch halt, ich red ein Wörtchen drein.
STADINGERAlles im stillen so nett abgekartet,
STADINGERMordelement, darauf hätt ich gewartet!
STADINGERDaraus wird nichts, daraus wird nichts!
STADINGERDa hab ich einen andern Plan.
STADINGERMARIE, GRAF und ADELHOF
STADINGERLasst Euch bedeuten, lasst Euch bedeuten,
STADINGERseid nicht so wild und höret uns an.
STADINGERIRMENTRAUT und GEORG
STADINGERWas soll das heissen? Was soll das heissen?
STADINGEREr sagt, es gilt einen andern Plan?
ADELHOFLasst Euch bewegen, gebt Euren Segen,
ADELHOFKonrad muss ihr Gatte sein.
ADELHOFMARIE, GRAF und GEORG
ADELHOFLasst Euch bewegen, gebt Euren Segen,
ADELHOFlieber Vater willigt ein.
ADELHOFlieber Meister willigt ein.
IRMENTRAUTGebt meinetwegen Ihr Euren Segen,
IRMENTRAUTlieber Meister, willigt ein!
STADINGERNein, nein, nein, nein, nein, nein, nein!
STADINGERIch sage nein für immerdar, nein, nein, nein, nein!
ärgerlich
ADELHOFEi, so hol dich doch der Teufel,
ADELHOFeigensinn'ger alter Narr!
ausser sich
STADINGERAlter Narr! Ein Wormser Bürger!
STADINGERMir das in meinem eignen Haus!
STADINGERMARIE, IRMENTRAUT, GRAF und GEORG
STADINGERO weh, o weh, nun ist es aus.
STADINGEREr hat die Wahl, nun fliegt Er gleich
STADINGERzur Türe oder zum Fenster hinaus,
STADINGERzum Fenster oder zur Türe hinaus,
STADINGERwo Er will!
STADINGERMARIE, IRMENTRAUT, GRAF und GEORG
STADINGERSeinen Zorn so heftig zu erregen,
STADINGERwar gefehlt und unbedacht;
STADINGERihn zur Sanftmut wieder zu bewegen,
STADINGERwalte nun der Schlauheit ganze Macht.
STADINGERDarum Mut und Vertraun,
STADINGERist auch das Ziel noch weit.
STADINGERWahre Lieb' kein Opfer scheut!
ADELHOFSeinen Zorn so heftig zu erregen
ADELHOFhätt ich nimmer mir gedacht;
ADELHOFihn zur Sanftmut wieder zu bewegen,
ADELHOFwalte nun der Schlauheit ganze Macht.
ADELHOFGlaubte schon, die Sache wär
ADELHOFsogleich in Richtigkeit -
ADELHOFdoch vom Ziel bin ich noch weit!
für sich
STADINGERMeinen Zorn so heftig zu erregen,
STADINGERwar sehr dumm und unbedacht;
STADINGERmag er sich nun auch auf's Bitten legen,
STADINGERalles bleibt, wie ich's gesagt.
STADINGERGlaubet wohl, die Sache wär'
STADINGERsogleich in Richtigkeit -
STADINGERdraus wird nichts in Ewigkeit!
ADELHOFHört mich nur an -
STADINGERIch will nicht, nein.
ADELHOFEs gilt ja Eures Kindes Glück -
MARIEEs gilt mein Glück -
MARIEEs gilt ihr Glück -
STADINGERDie Sorg' ist mein!
STADINGEREntfernet Euch im Augenblick.
ADELHOFIhr seid so grob -
STADINGERNicht so wie Ihr.
ADELHOFDrum gehe ich.
STADINGERDa ist die Tür. In meinem Hause duld ich nicht,
STADINGERdass man von alten Narren spricht.
STADINGERMARIE, IRMENTRAUT, GRAF und GEORG
STADINGERSeinen Zorn so heftig zu erregen,
STADINGERwar gefehlt und unbedacht;
STADINGERihn zur Sanftmut wieder zu bewegen,
STADINGERwalte nun der Schlauheit ganze Macht.
STADINGERDarum Mut und Vertraun,
STADINGERist auch das Ziel noch weit.
STADINGERWahre Lieb' kein Opfer scheut.
ADELHOFSeinen Zorn so heftig zu erregen
ADELHOFhätt ich nimmer mir gedacht;
ADELHOFihn zur Sanftmut wieder zu bewegen,
ADELHOFwalte nun der Schlauheit ganze Macht.
ADELHOFGlaubte schon, die Sache wär
ADELHOFsogleich in Richtigkeit -
ADELHOFdoch vom Ziel bin ich noch weit!
für sich
STADINGERMeinen Zorn so heftig zu erregen,
STADINGERwar sehr dumm und unbedacht;
STADINGERmag er sich nun auf's Bitten legen -
STADINGERalles bleibt, wie ich gesagt.
STADINGERGlaubte wohl, die Sache wär
STADINGERsogleich in Richtigkeit -
STADINGERdraus wird nichts in Ewigkeit!
treibt den Ritter zur Mitte und Marie und Irmentraut zur Seite ab. Er selbst entfernt sich durch die Mitte
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Graf. Georg
GEORGNun, gestrenger Herr Ritter, so weit hätten wir es denn gebracht; Ihr seid von morgen ausquartiert, und ich, als Euer getreuer Schlafkamerad, muss gehorsamerweise Euer Schicksal teilen.
GRAFAber wie kam der Ritter nur auf den Gedanken?
GEORGDas ist Euch nicht klar? Ach, werter Herr Ritter, ich glaube, die Liebe und der Schmiedehammer haben Euch stumpfsinnig gemacht. Ein Kunststückchen von Eurer Braut. Sie hat erfahren, dass Ihr in Worms verborgen seid, und will Euch das Mädchen vor der Nase weg verheiraten. Unglücklicherweise oder auch glücklicherweise trifft sie gerade den rechten Mann.
GRAFVerdammt, dass der Alte so halsstarrig ist. So war ich mit eins am Ziel meiner Wünsche.
GEORGHörtet Ihr nicht, was er sagte: er hätte mit dem Mädchen einen andern Plan? Was mag er damit gemeint haben?
GRAFEinerlei! - Nimm diesen Brief, worin ich als Ritter noch einmal um die Hand seiner Tochter bitte.
GEORGVergebene Müh!
GRAFIch will alle mögliche Güte versuchen, damit ich mir später nichts vorzuwerfen habe.
pfiffig
GEORGHerr Ritter, ich habe einen Einfall, ein Plänchen, das liesse sich prächtig beim heutigen Feste ausführen.
GRAFLass hören!
GEORGStill! Der Alte!
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Stadinger
STADINGERHabe ich mich nicht geärgert!
Konrad erblickend
STADINGERGut, dass ich dich sehe, du hast deinen Laufpass. Ich kann keinen Gesellen brauchen, der in meiner Familie besser Bescheid weiss als in meiner Werkstatt.
GRAFSo hört mich nur einmal an.
STADINGERKein Wort, es bleibt dabei. - Georg, mit dir habe ich zu reden.
GEORGZu Befehl, Meister. Zuvor aber nehmt den Brief.
STADINGERIch will keinen. Es soll sich kein Mensch unterstehen, an mich zu schreiben.
GEORGWarum denn nicht?
STADINGERWeil ich Geschriebenes nicht lesen kann. - Wer hat ihn gebracht?
GEORGEin Knappe in einem prächtigen Waffenrock.
STADINGERLies ihn.
GEORGMeister, ich kann auch nicht lesen.
STADINGERDu bist mein Mann, das freut mich.
Zum Grafen, der sich zurückgezogen hatte
STADINGERHe - du - du bist ja ein gelehrter Schmied - lies den Brief, aber deutlich, dass ich dich verstehe - Von wem ist er?
GRAFIch will ihn gleich erbrechen. Er erbricht ihn.
STADINGERKann man das nicht so sehen?
GRAFNein. - Er ist vom Grafen Liebenau.
STADINGERVon dem Mädchenjäger? Was will er schon wieder?
liest
GRAF»Edler Bürger, berühmter Meister, hochgelahrter Doktor!«
STADINGEREine gute Erziehung hat der Mensch! - Weiter!
GRAF»Da Ihr mir auf mein Begehren Eure edle Tochter Marie ohne Ursach' abgeschlagen habt -«
STADINGEROhne Ursach'? Ist das nicht Ursach' genug: er ist ein Ritter.
GRAF»So frage ich Euch zum letztenmal, ob Ihr sie mir gutwillig zu meinem Eheweib geben wollt; oder ob ich mit Macht und Ansehn sie Euch entreissen soll! Nehmt mich zu Eurem Feind - was mir aber lieber ist - zu Eurem Sohn an. Graf und Ritter Liebenau.«
STADINGEREi, so wollte ich doch, dass du ersticktest. Das ist eine ganz neue Art, von dem Vater die Tochter zu begehren. Wenn das Mode würde, möchte der Teufel Vater sein. Wenn dir das gelingt, so will ich keinen Tropfen mehr trinken. Der Himmel verzeihe mir den hohen Schwur. Aber da will ich einen Riegel vorschieben.
Zum Grafen
STADINGERDu gehst hinaus, ich habe mit Georg allein zu reden.
geht ab, nachdem er sich mit Georg noch durch Zeichen verständigt
für sich
GEORGWas will er denn von mir? Mir wird ganz unheimlich zumute!
STADINGERGeorg, ich habe mit meinem Schwager Brenner um drei Ohm Hochheimer gewettet, dass der Ritter Liebenau nie mein Tochtermann wird, und diese Wette muss ich gewinnen. Georg, du bist mein Trost! Wie alt bist du?
GEORGDas weiss ich nicht gewiss, es sind achtzehn Jahre, dass ich die Blattern hatte, und ich weiss nicht, war ich damals zehn oder zwanzig Jahre alt.
STADINGERTut nichts. Zum Heiraten bist du alt genug.
beiseite
GEORGHeiliger Bonifazius! Nun geht mir ein Licht auf.
STADINGERAlso - du wirst die Ehre zu schätzen wissen - ich mache dich zu meinem Schwiegersohn; es muss dir aber nicht unangenehm sein.
beiseite
GEORGNun, das ist nicht übel! - Laut. Meister, was fällt Euch ein? Ich bin zum Heiraten verdorben.
STADINGERWieso?
GEORGMit mir hält's keine aus.
STADINGERWarum nicht?
GEORGIch habe zuviel Fehler.
STADINGERFehler hat jeder Mensch, die lassen sich abgewöhnen; hab ich mir zum Beispiel mein dummes Sprichwort abgewöhnt -
GEORGI nun, es kommt noch oft genug.
STADINGERDu sollst mich darauf aufmerksam machen, so oft ich's sagen will.
GEORGSoll geschehen, Meister -
STADINGEREs muss dir aber nicht unange -
GEORGMeister!
sich vor den Mund schlagend
STADINGERDass dich das Wetter! - Na, ruf mir gleich zu, ich lass es schon. - Also wiederum zur Hauptsache zu kommen!
SYSTEMNr. 7 - Duett
STADINGERDu bist ein arbeitsamer Mensch,
STADINGERbist brav, gesund und derb;
STADINGERdrum geb ich meine Tochter dir
STADINGERund später mein Gewerb'.
GEORGIhr spasst wohl, Meister!
STADINGER's ist mein Ernst,
STADINGERmit so was spass ich nicht.
STADINGERMein Mädel ist ein gutes Kind,
STADINGERhat auch ein hübsch Gesicht.
GEORGDer Antrag ist sehr ehrenvoll -
STADINGERBesinn dich drum nicht lang.
beiseite
GEORGIch weiss nicht, was ich sagen soll -
GEORGes wird mir angst und bang.
STADINGERGreif zu geschwind!
GEORGIch fürchte mich!
STADINGERGeh, sei kein Hasenfuss.
GEORGDas ist 'ne Sache, die man sich
GEORGerst überlegen muss.
für sich
BEIDEDas Mädel hat ein hübsch Gesicht,
BEIDEdrum wär der Spass so übel nicht,
BEIDEschnappt ich / sie meinem Ritter / dem Herrn keck
BEIDEso grade vor der Nase weg.
BEIDEDas wär ein guter Spass!
GEORGEs geht nicht, Meister.
STADINGERWas ist das?
GEORGIch sag's Euch grade hin,
GEORGdass ich mich nicht vermählen kann,
GEORGweil ich Leibeigner bin.
STADINGERIch kauf dich los.
STADINGERDie hab ich, die paar Dreier!
STADINGERWo bist du her?
GEORGAch Gott, das weiss ich gar nicht mehr!
STADINGERVerflucht, da wird es teuer.
GEORGNicht wahr?
STADINGERDoch koste es auch, was es will,
STADINGERich zahle die Dukaten.
GEORGMir steht der Angstschweiss auf der Stirn.
verzweifelt
GEORGIch will gar nicht heiraten.
STADINGERDu willst nicht?
GEORGNein!
STADINGERDu musst!
GEORGOho! Für sich. Nun wird's mir bald zu toll.
STADINGERWillst du, dass meine Wette ich
STADINGERetwa verlieren soll?
GEORGWenn mich das Mädchen nun nicht will -
STADINGERSie muss dich woll'n, jetzt schweigst du still.
GEORGWas will sie denn mit einem Mann,
GEORGder ihr nicht einmal sagen kann,
GEORGwer seine Eltern sind.
GEORGIch bin ein Findelkind;
GEORGich bin auch, glaub ich, nicht getauft,
GEORGdie Schriften, die man bei mir fand,
GEORGich habe sie verloren.
die Hände zusammenschlagend
STADINGERAm Ende ist der ganze Kerl
STADINGERnoch nicht einmal geboren!
STADINGERDoch das ficht alles mich nicht an,
STADINGERdu wirst mein Tochtermann.
BEIDEDas Mädel hat ein hübsch Gesicht,
BEIDEdrum wär der Spass so übel nicht,
BEIDEschnappt ich sie meinem Ritter keck
BEIDEschnappt er sie dem Herrn keck
BEIDEso grade vor der Nase weg.
BEIDEDas wär ein guter Spass!
STADINGERNun schweigst du still, sprichst nicht mehr drein.
STADINGERDu findst beim heut'gen Fest dich ein;
STADINGERdort wird, wie sich's gebührt,
STADINGERVerlobung deklariert.
GEORGWarum nicht gar.
STADINGEREs bleibt dabei!
STADINGERZum Teufel mit der Ziererei!
GEORGIch komm nicht los, ich armer Mann!
STADINGERWas gilt's, er stellt sich nur so an.
GEORGIch weiss mir nicht zu raten,
GEORGer peinigt mich zu Tod!
GEORGMein Herr durch kühne Taten
GEORGhilft mir wohl aus der Not.
GEORGMan zwingt in Hymens Tempel
GEORGmich mit Gewalt hinein;
GEORGich muss doch ein Exempel
GEORGvon einem Eh'mann sein!
STADINGEREin hübsches Weibchen, ein gut Gewerbe
STADINGERund in die Hand noch bares Geld,
STADINGERzu hoffen einst ein nettes Erbe,
STADINGERwas gibt es Schön'res auf der Welt?
STADINGERDas kann dem Menschen schon behagen
STADINGERund liesse, dächt ich, sich ertragen;
STADINGERdoch der Verstand wird zu seinem Frommen
STADINGERihm schon noch kommen,
STADINGERer wird mir danken und ein Exempel
STADINGERvon einem guten Eh'mann sein!
Georg geht ab
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Stadinger. Adelhof
erhitzt
ADELHOFGut, dass ich Euch noch treffe! Ich habe Wichtiges mit Euch zu reden.
STADINGERWollt Ihr etwa schon wieder in meinem Hause jemand verheiraten?
ADELHOFAllerdings. - Eure Tochter! Aber nicht mit dem Gesellen Konrad, sondern - habt Ihr nicht auch einen namens Georg in Eurem Hause?
STADINGERSehr richtig.
ADELHOFDer muss Eure Tochter heiraten - es war ein Missverständnis.
STADINGERSo? Es ist mir nur lieb, dass Ihr mich gleich darüber aufklärt. - Mein lieber Herr Ritter aus Schwaben, ich muss Euch rundheraus sagen, dass ich Herr in meinem Hause bin und die Hand meiner Tochter gebe, wem ich will. Verstanden? Bekümmert Euch also ferner weder um meine Tochter noch um ihren Zukünftigen.
ADELHOFAber, lieber Meister -
STADINGERAber, lieber Herr Ritter, dabei bleibt's. Es muss Euch aber nicht unangenehm sein.
Er ruft
STADINGERHe, Marie, Marie!
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Brenner
eilig
BRENNERFinde ich Euch endlich, Herr Ritter, ich sucht Euch überall. Das Fräulein erwartet Euch, sie hat Euch Wichtiges zu verkünden. Guten Tag, Schwager.
STADINGERGuten Tag.
ADELHOFAber ich komme ja im Augenblick von ihr her.
BRENNEREinerlei! Ihr sollt sogleich zurückkehren.
ADELHOFDas weiss der Teufel!
Sie gehen gegen den Hintergrund und reden miteinander
an der Seitentür
STADINGERNun, zum Henker, wo steckt denn das Mädchen?
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Irmentraut
IRMENTRAUTIhr habt mich gerufen?
STADINGERHeisst Sie denn Marie? Ich rief nach meiner Tochter.
IRMENTRAUTIch hörte Euch »Mädchen« rufen.
STADINGERSie alte Schachtel! Wenn ich »Mädchen« rufe, werd ich Sie doch nicht meinen.
IRMENTRAUTAber, Meister Stadinger -
STADINGERDoch da Sie nun einmal da ist, so ist mir's auch recht. Sind die Körbe hinausgeschafft?
IRMENTRAUTJa, Meister.
STADINGERDer Wein, das Essen?
IRMENTRAUTJa, Meister.
STADINGERDie Humpen, die Becher?
IRMENTRAUTJa, Meister.
STADINGERGut. -
Zu Adelhof
STADINGERHerr Ritter, ich kann nicht nachtragen. Wollt Ihr mir die Ehre geben, mich heut auf meinem Weinberg zu besuchen, ich feiere ein kleines Fest.
ADELHOFWenn es meine Zeit erlaubt -
STADINGERSoll mir lieb sein.
Zu Irmentraut
STADINGERIch gehe jetzt voraus, Sie kommt mit Marien nach. Dass ihr mir aber keine Schleichwege macht, sonst -
IRMENTRAUTBehüte mich der Himmel! Noch eins, Meister. Nennt mich draussen vor den Gästen nur nicht alte Irmentraut oder alte Schachtel, ich bitte Euch.
STADINGERIch werde immer sagen: Du liebes, kleines, junges Ding -
freudig
IRMENTRAUTAch ja, Meister!
lachend
STADINGEREs muss Ihr aber nicht unangenehm sein. - Auf Wiedersehn, Herr Ritter! Leb wohl, Schwager!
Er geht mit Irmentraut ab
SYSTEMELFTER AUFTRITT
Adelhof. Brenner
BRENNERAlso das Fräulein -
ADELHOFWie ich Ihm sage: ich glaubte meinen Auftrag recht schlau ausgeführt zu haben, da rief sie wütend: »Der Konrad darf nun und nimmermehr des Mädchens Gatte werden.«
BRENNERFragtet Ihr nicht, weshalb?
ADELHOFNun freilich, aber sie meinte, den Grund würde ich später erfahren. Welcher Teufel mag nur so plötzlich ihren Sinn geändert haben?
beiseite
BRENNERDer Teufel war ich. Laut. Das ist mir unbegreiflich.
ADELHOFNun soll der Georg sie heiraten.
BRENNERWirklich höchst seltsam! Aber Ihr vergesst, dass Euch das Fräulein erwartet.
ADELHOFIch gehe schon. Am Ende ist ihr der Georg jetzt auch nicht recht. O Katzenstein, wenn deine Goldgulden nicht wären, so liesse ich dich sitzen, aber so - Verstand hab ich, aber kein Geld.
für sich
BRENNERMit dem letzteren bin ich -
ADELHOFWie?
laut
BRENNERGanz einverstanden.
Nun will ich einmal sehn, was sie von mir will. Er geht ab.
allein
BRENNERLauf nur, guter Schwabe, du wirst noch mehr Lauferei haben. Die Sache ist ganz einfach. Der Graf Liebenau bezahlt mich, dass ich ihm zu dem Mädchen verhelfe. Das reiche Fräulein bezahlt mich, dass ich ihm nicht zu dem Mädchen verhelfe. Da ist Verdienst auf beiden Seiten - und als Familienvater! - Jetzt hab ich ihr gesteckt, dass der Schmiedegeselle Georg und der Knappe des Grafen eine Person wäre. Das trug etwas ein. - Nun entdecke ich ihr wieder, dass der Schmiedegeselle Konrad und der Graf eine Person sind, da setzt's wieder etwas, und so opfert man sich für die Menschheit auf, um nur einigermassen redlich durch die Welt zu kommen.
Er geht ab
Weinberg
Auf den Terrassen wie unten zur Seite sind die Nachbarn Stadingers mit ihren Frauen und Kindern essend und trinkend gruppiert
SYSTEMZWÖLFTER AUFTRITT
Stadinger. Brenner. Nachbarn. Männer und Frauen. Gesellen in fröhlicher Bewegung
SYSTEMNr. 8 - Chor
VERWANDLUNGWie herrlich ist's, im Grünen,
VERWANDLUNGim traulichen Verein,
VERWANDLUNGbei Wein und frohen Mienen
VERWANDLUNGdes Lebens sich zu freun,
VERWANDLUNGdes schönen Lebens sich zu freun!
SYSTEMDREIZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Georg, von mehreren Gesellen gehalten
EIN GESELLEHier, Meister, bringen wir einen Widerspenstigen, er wollte durchaus nicht mit.
GEORGNehmt's nicht übel, Meister, aber es war mir so übel zumute.
STADINGERDeine Krankheit kenne ich, soll ich dir etwa ein Rezept verschreiben? - Frisch, sing uns ein Lied, da wird dir besser werden.
GEORGMir wär's ums Singen.
STADINGERGeorg, mach mich nicht bös. Ja so. Hast du meine Tochter mit der Alten nicht gesehen?
GEORGMit keinem Auge.
STADINGERSie müssten doch zum Kuckuck längst hier sein! - Na, werden wieder viel anzuputzen haben. Jetzt, Georg, mach keine Umstände, sing uns was, es muss dir aber nicht unange -
GEORGMeister!
ärgerlich
STADINGERDass dich - Er geht nach dem Hintergrunde.
für sich
GEORGIch will singen, damit niemand den Berg verlässt, denn jetzt wird der Spass unten losgehen.
SYSTEMNr. 9 - Lied mit Chor
GEORGWar einst ein junger Springinsfeld,
GEORGder wollt auf Reisen gehn,
GEORGerwerben Ehre, Gut und Geld
GEORGund sich die Welt besehn.
GEORG»Leb wohl, fein Liebchen, weine nicht.
GEORGBald kehr ich heim.« Sie aber spricht:
GEORG»O geh nicht in die Welt hinaus,
GEORGbleib lieber doch bei mir zu Haus,
GEORGes schadet oft, wenn man auf Reisen geht!«
CHOR»O geh nicht in die Welt hinaus,
CHORbleib lieber doch bei mir zu Haus,
CHORes schadet oft, wenn man auf Reisen geht!«
GEORGEr ging zur See. Nach Mexiko
GEORGwollt er fürs erste hin,
GEORGdenn dorten gibt es Gold wie Stroh,
GEORGdacht er in seinem Sinn.
Doch ein Korsarenschiff erscheint,
GEORGdas es mit ihm gar übel meint;
GEORGda ruft er in Verzweiflung aus:
GEORG»Ach, warum blieb ich nicht zu Haus?
GEORGDas kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«
CHORDa ruft er in Verzweiflung aus:
CHOR»Ach, warum blieb ich nicht zu Haus?
CHORDas kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«
GEORGZuletzt befreit ein Zufall ihn
GEORGvon seinem Missgeschick;
GEORGer kehrt mit bittersüsser Mien'
GEORGins Vaterland zurück.
GEORGEr eilt zum Liebchen froh und keck,
GEORGdoch trifft ihn bald der Schlag vor Schreck.
GEORGSie stellt ihm ihren Bräut'gam vor
und flüstert ihm dabei ins Ohr:
GEORG»Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!''
CHORSie stellt ihm ihren Bräut'gam vor
und flüstert ihm dabei ins Ohr:
CHOR»Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!«
STADINGERNun möcht ich aber doch ernstlich wissen, wo mein Mädel bleibt. Ja - weil ich gerade von ihr rede, ihr Freunde, da muss ich euch einen Spass erzählen. Heut kommt ein närrischer Kauz, ein schwäbischer Ritter in mein Haus und will mit Gewalt meine Tochter verheiraten. Erst wollte er ihr den Konrad geben, dann sollte Georg sie haben, und ich stehe doch nicht dafür, dass, ehe es Abend wird -
SYSTEMVIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adelhof
ausser Atem
ADELHOFGuten Tag, Leutchen, lasst euch nicht stören.
STADINGERDa ist er!
zu Stadinger
Alter Freund, nur ein paar Worte, denn ich muss gleich wieder fort: Der Georg darf auf keinen Fall Eure Tochter heiraten, denn -
lacht
STADINGERHab ich's nicht gesagt!
lachen
ADELHOFDer Georg steckt mit dem Ritter Liebenau unter einer Decke.
STADINGERWas ist das?
GEORGWelche Verleumdung! Meister - und ihr könnt das dulden?
STADINGERRuhe - Beweise!
ADELHOFMein Fräulein weiss die Sache genau.
STADINGEREuer Fräulein ist mit Respekt zu melden -
ADELHOFWas?
STADINGERNicht recht gescheit!
ADELHOFMeister Stadinger, bedenkt, was Ihr sprecht.
STADINGERHerr Ritter, bedenkt Ihr, dass Ihr Euch in einem fröhlichen Kreise befindet, der ebensowenig wie ich von Euren Narrheiten etwas wissen will.
ADELHOFAber mein Fräulein sagte mir doch -
für sich
STADINGERHol dich und dein Fräulein der Teufel!
Man hört Irmentraut hinter der Szene »Hilfe« schreien
BRENNERWelch ein Geschrei?
durcheinander
ALLEWas ist geschehen?
SYSTEMFÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Irmentraut. Später der Graf und Marie
SYSTEMNr. 10 - Finale
ausser sich
IRMENTRAUTZu Hilfe! Zu Hilfe!
STADINGERWas muss ich sehn?
STADINGERDu bist allein! Wo ist mein Kind?
IRMENTRAUTAch, eilt zu Hilfe ihm geschwind!
ALLEMarie? Was geschah mit ihr?
IRMENTRAUTWeit weggeführt ward sie von hier,
IRMENTRAUTgeraubt von einer grossen Schar.
ALLEWie? Geraubt! Entführt! Wie, ist das wahr?
dem man nachgerade die Wirkung des Weines anmerkt
STADINGERMir das! Mir das! Ha! Höll' und Teufel.
STADINGERDas ist der Ritter ohne Zweifel!
STADINGERFort, fort, zur Stadt,
STADINGERzum hohen Rat,
STADINGERum mit den Waffen
STADINGERmir Recht zu schaffen.
CHORFort, fort, zur Stadt,
CHORzum hohen Rat,
CHORihm mit den Waffen
CHORRecht zu schaffen. -
CHORDa ist sie!
verschwindet unmerklich im Tumult
treten auf
STADINGERMarie in die Arme schliessend.
STADINGERMein Kind! Mein teures Kind!
plötzlich wieder wütend
STADINGERDu ungeratne Dirne,
STADINGERich dachte gleich:
STADINGERDas wird das Ende sein
STADINGERvon euren Liebelein!
MARIEWas kann denn ich dafür?
BRENNERGeh, Alter, sei gescheit.
auf den Grafen deutend
MARIESeht meinen Retter hier;
MARIEsein Arm hat mich befreit.
CHOREr allein? Ist das wahr?
MARIETrotzte kühn der Gefahr.
GRAFJa, preisen muss ich das Geschick,
GRAFdas mich hierhergeführt.
GRAFUnd sie zu retten, hätt mein Leben
GRAFtausendfach ich hingegeben.
STADINGEROho!
MARIEO lieber Konrad!
STADINGERRuh'!
zur Gesellschaft
STADINGERWas sagt denn ihr dazu?
STADINGERDie Ritterschaft macht sich den Spass
STADINGERund balgt bei hellem Sonnenschein
STADINGERsich um mein sittsam Töchterlein!
STADINGERDas ist 'ne schöne Wirtschaft, das!
STADINGERHammer und Amboss! Nun hab ich's satt!
STADINGERDas gibt 'nen Mordsskandal in der Stadt.
zu Marie
STADINGERJetzt sperr ich dich ins Kloster ein!
STADINGERDas muss dir aber nicht unange -
ruft ihm zu
GEORGAber Meister!
kann sich nicht bezwingen und schliesst mit dem Worte
STADINGER- sein!
SYSTEMMARIE, IRMENTRAUT, GRAF, GEORG, BRENNER UND CHOR
STADINGERZornesglut färbt seine Wangen,
STADINGERdoch wir kennen dieses Dräun,
STADINGERmit der Morgenröte Prangen
STADINGERwird er andern Sinnes sein.
STADINGERDu erfüllest mein Verlangen,
STADINGERschliessest dich ins Kloster ein,
STADINGERso nur kann ich ohne Bangen,
STADINGERohne Furcht und Sorgen sein.
STADINGERDoch halt! Das geht nicht an.
STADINGERIch hab ja einen andern Plan,
STADINGERich hab 'nen Mann für dich.
für sich
GEORGO weh! Nun kommt die Reih' an mich.
auf Georg zeigend
STADINGERHier steht er, den ich meine.
erschrocken
MARIEGeorg!
ALLEWie, Georg?
MARIEDen nehm in meinem Leben
MARIEich nun und nimmermehr.
GEORGDies schmeichelt mir gar sehr.
zornig
STADINGERDu willst nicht?
ohne Marie
DIE ANDERNAber Meister -
STADINGERIch bring das Mädel um! Du willst nicht?
GEORGIch will auch nicht.
STADINGERSchweig, Kerl, du bist zu dumm!
zu Marie
STADINGERSo willst du zu der Heirat
STADINGERdurchaus dich nicht verstehn?
MARIEAch nein! Da will ich lieber
MARIEzehnmal ins Kloster gehn.
MARIEZornesglut färbt seine Wangen,
MARIEdoch wir kennen dieses Dräun,
MARIEmit der Morgenröte Prangen
MARIEwird er andern Sinnes sein!
MARIENur das eine tut mir leid,
MARIEdass die schöne Lustbarkeit
MARIEsich verwandelte in Streit.
GEORGZornesglut färbt seine Wangen,
GEORGdoch wir kennen dieses Dräun,
GEORGmit der Morgenröte Prangen
GEORGwird er andern Sinnes sein!
GEORGNur das eine mich erfreut,
GEORGdass ich nach dem langen Streit
GEORGvon der Heirat bin befreit.
GRAFZornesglut färbt seine Wangen,
GRAFdoch wir kennen dieses Dräun,
GRAFmit der Morgenrote Prangen
GRAFwird er andern Sinnes sein!
GRAFNur das eine mich erfreut,
GRAFdass sie voller Zärtlichkeit
GRAFmir aufs neu' ihr Herz geweiht.
STADINGERDu erfüllest mein Verlangen,
STADINGERschliessest dich ins Kloster ein,
STADINGERso nur kann ich ohne Bangen,
STADINGERohne Furcht und Sorgen sein.
STADINGERNur das eine tut mir leid,
STADINGERdass die schöne Lustbarkeit
STADINGERsich verwandelte in Streit.
Während alle Stadinger zu besänftigen suchen, fällt der Vorhang
SYSTEMENTR'ACT
SYSTEMDRITTER AKT
Dasselbe Zimmer wie im zweiten Aufzug
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Marie am Spinnrad sitzend
MARIEEs geht nicht. Ich bringe nichts Gescheites zustande. Alle Augenblicke reisst der Faden. Das tut die Unruhe, die Angst, das böse Gewissen - ich habe wahrhaftig ein gutes Gewissen. Und vor des Vaters Drohung bin ich auch nicht bange; er will mich bei jeder Gelegenheit ins Kloster schicken - ich weiss doch, dass nichts daraus wird. Aber das Gerede der Leute, wie werden sie mit Spottreden über mich herfallen - und mit Unrecht, denn ich bin unschuldig, und wenn man von einem ganzen Haufen Männern überfallen wird - hat man doch manchmal mit einem schon seine liebe Not!
SYSTEMNr. 11 - Arie
MARIEWir armen, armen Mädchen
MARIEind gar so übel dran;
MARIEich wollt, ich wär kein Mädchen,
MARIEich wollt, ich wär ein Mann!
MARIEUm unsern guten Ruf
MARIEist's nur zu leicht geschehn;
MARIEman kann beim besten Will'n
MARIEnicht alles vorhersehn.
MARIEWir armen, armen Mädchen
MARIEsind gar so übel dran;
MARIEich wollt, ich wär kein Mädchen,
MARIEich wollt, ich wär ein Mann!
MARIEKaum sieht man einen Mann
MARIEnur von der Seite an,
MARIEso heisst's mit spött'scher Mien':
MARIE»Sie hat ein Aug' auf ihn.«
MARIESchuf denn der liebe Gott
MARIEdie Männer uns zum Groll -
MARIEdass man sie ausnahmsweis
MARIEnicht einmal ansehn soll?
MARIEEin Mann kann machen, was er will,
MARIEda schweigt der böse Leumund still,
MARIEbei uns da schreit er laut.
MARIEWir armen, armen Mädchen
MARIEsind gar so übel dran;
MARIEich wollt, ich wär kein Mädchen,
MARIEich wollt, ich wär ein Mann!
MARIEGeht man am lieben Sonntag
MARIEmit kindlich frohem Sinn,
MARIEfein sauber angekleidet,
MARIEehrbar zur Kirche hin
MARIEund hat vielleicht zufällig
MARIEein Bändchen mehr am Kleid -
MARIEgleich sprechen böse Zungen:
MARIE»Die strotzt von Eitelkeit.«
MARIEDa stecken Muhm' und Basen
MARIEzusammen ihre Nasen
MARIEund hecheln dann und keifen:
MARIE»Seht nur die vielen Schleifen!
MARIEDie geht auch nicht zum Beten
MARIEheut in die heil'gen Hallen;
MARIEes will die eitle Dirne
MARIEden Männern nur gefallen;
MARIEseht nur, wie sie sich bläht,
MARIEwie sie sich wendet und sich dreht;
MARIEseht nur, wie sie sich ziert
MARIEund mit den Augen kokettiert!«
MARIEEin Mann kann machen, was er will,
MARIEda schweigt der böse Leumund still.
MARIEDoch ach, wir armen Mädchen! -
MARIEWir armen, armen Mädchen
MARIEsind gar so übel dran;
MARIEich wollt, ich wär kein Mädchen,
MARIEich wollt, ich wär ein Mann!
MARIEIch wollte, ich wär ein Mann,
MARIEich wollte, ich hätt'nen -
sie hält ein wenig inne, dann fährt sie, gleichsam ärgerlich über ihr Versprechen, fort
MARIEich wär ein Mann.
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Marie. Stadinger. Brenner
BRENNERIch sage dir, Schwager, du wirst den Ritter nicht anders los, als wenn du das Mädel verheiratest. Ist sie einmal unter der Haube, wird sich seine Leidenschaft auch abkühlen.
STADINGERHatt ich denn etwas andres im Sinn? Das Mädel sollte den Georg heiraten, aber der Strohkopf will ja nicht.
MARIEIch, Vater, will aber auch nicht.
STADINGERDu schweigst, bist du gefragt wirst.
leise zu Marie
BRENNERSei still und lass mich gewähren. Laut zu Stadinger. Mit deinem Georg! Da ist doch aber der Konrad ein ganz anderer Mann.
STADINGERIch kann den Burschen nicht leiden, er versteht nichts vom Gewerb, ist ein schlechter Arbeiter -
BRENNERDu bist ihm aber Dank schuldig.
STADINGERIch will ihn auch belohnen.
BRENNERWomit denn?
STADINGERIch will ihn am nächsten Sonntag in der Herberge freihalten.
BRENNERDas wäre eine schöne Belohnung! Du kannst nicht weniger tun, als ihm deine Tochter geben.
STADINGERSchweig mir nur von dem Kapitel still. Jetzt will ich erst die ganze Entführungsgeschichte klar wissen. He, Konrad! Denn gestern abend - der Ärger war mir so zu Kopfe gestiegen, dass ich mich nicht mehr auf alles besinnen kann.
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Georg
GEORGIhr habt gerufen, Meister?
STADINGERDich nicht, du kannst aber auch dabei sein. Ruf mir den Konrad.
GEORGGleich, Meister!
Er geht ab
zu Marie
STADINGERDu, ruf mir deine würdige Erzieherin. Hoffentlich hat sie sich von ihrem Schreck erholt.
geht ab
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Stadinger. Brenner. Ein Geselle
EIN GESELLEMeister, auf ein Wort.
geht in den Hintergrund und spricht mit ihm
im Vordergrund
BRENNERDas Fräulein zahlt nichts mehr, folglich diene ich dem Grafen wieder mit Leib und Seele. Wenn mir nur der Schwabe keinen Querstrich macht, denn er weiss jetzt alles.
STADINGERSchon gut, ich werde dem Herrn Stadtvogt meinen Dank in Person abstatten!
geht ab
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
EIN GESELLEStadinger. Brenner. Marie und Irmentraut. Graf und Georg.
STADINGERDa seid ihr ja beisammen. Stellt euch um mich herum und erzählt mir den Hergang.
MARIEAls wir unten am Weinberge -
IRMENTRAUTAls wir unten am Weinberge -
GRAFAls wir unten am Weinberge -
STADINGEREins nach dem andern!
Zu Irmentraut
STADINGERSie spricht zuerst. Das Alter hat den Vortritt.
ärgerlich
IRMENTRAUTAch was, Alter -
STADINGEREs ist aber doch wahr, also rede Sie.
IRMENTRAUTAlso - ach Gott, ich zittre noch an allen Gliedern - wir gingen von Hause weg -
STADINGERDas weiss ich -
IRMENTRAUTIch erzählte unterwegs Marien -
STADINGERVon Ihren vielen Eroberungen -
ärgerlich
IRMENTRAUTAber wenn ich doch erzählen soll -
STADINGERDie Hauptsache!
IRMENTRAUTAls wir unten am Weinberge angelangt waren und in das Gebüsch traten, hörten wir flüstern, und ich vernahm deutlich, wie einer sagte: »Ich kann es meinem Herrn nicht verdenken, die Dirne ist hübsch!« - Anfangs glaubte ich, das ginge auf mich -
STADINGERMach Sie sich doch nicht lächerlich.
IRMENTRAUTDa plötzlich drangen Bewaffnete aus dem Gebüsch -
MARIEJetzt lass mich erzählen. Ich fühlte mich von starken Armen erfasst -
IRMENTRAUTIch sank in Ohnmacht -
MARIENein, du liefst schreiend davon.
IRMENTRAUTNun ja, ich lief allerdings davon, weil eine Ohnmacht im Anzuge war.
MARIEDa plötzlich drang Konrad aus dem Gebüsch hervor, nahm mich in seine Arme, entwand einem der Räuber die Waffe und befreite mich. Ach, du guter, edler, tapferer Konrad! Wie soll ich dir danken? Wie viele Wunden wirst du davongetragen haben.
STADINGERWunden? Wo hat er denn die?
GEORGIch habe sie ihm alle verbunden.
STADINGERSo, so!
Ja, ohne ihn wäre dein Kind verloren gewesen, drum musst du dich dankbar gegen ihn beweisen. Gib ihm das Mädel, sonst nimmt sie dir der Ritter mit Gewalt.
Zum Grafen und Georg
BRENNERLegt euch aufs Bitten!
GRAFLieber Meister, ich will Euch ewig dankbar sein!
GEORGIch erst recht, Meister -
IRMENTRAUTJa, Meister, ich dächte auch -
MARIELieber Vater, macht Euer Kind glücklich!
ausser Stadinger
ALLELasst Euch erweichen!
STADINGERIhr Gesindel alle miteinander, ihr überrumpelt mich ja förmlich. Es fehlte weiter nichts, als dass der dicke Schwabe auch noch dazukäme!
für sich
BRENNERDas wäre mir nicht lieb.
STADINGERDa ist er, wahrhaftig!
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adelhof
SYSTEMNr. 12 - Septett
ADELHOFGut, dass ich Euch noch treffe -
ADELHOF- hu, was bin ich gelaufen -
ADELHOFman will Euch armen Mann
ADELHOFverraten und verkaufen.
STADINGERWas ist denn wieder los?
ADELHOFLasst mich nur erst verschnaufen.
zu Brenner
MARIEDer muss uns bitten helfen.
BRENNERNein, der ist gegen uns
BRENNERund diese Heirat völlig eingenommen.
MARIEDer Ritter? Der Ritter?
BRENNEREs ist, wie ich sage.
BRENNERLasst ihn, ich rat es euch,
BRENNERja nicht zu Worte kommen.
zu Stadinger
ADELHOFBetrogner, armer Mann,
ADELHOFihr geht in eine Falle.
zum Grafen und Georg
BRENNERWir jagen ihn hinaus,
BRENNERdenn er verrät uns alle.
STADINGERIch geh in eine Falle?
STADINGERWas wollt Ihr damit sagen?
DIE ANDERNWas wollt ihr damit sagen?
ADELHOFDu, guter Alter, bist zu blind!
ADELHOFDer Konrad und der Ritter sind -
DIE ANDERNHinaus! Wir wissen schon, hinaus!
STADINGERWas sind sie denn?
ADELHOFDer Konrad und der Ritter sind -
DIE ANDERNHinaus, wir wissen alles schon.
ADELHOFSo lasst mich doch nur reden,
ADELHOFich mein es herzlich gut.
STADINGERSo lasst ihn doch nur reden -
STADINGERer sagt, er mein es gut.
ADELHOFJa, herzlich gut.
IRMENTRAUTIhrer Liebe droht Gefahr, wenn er spricht!
BRENNEREurer Liebe droht Gefahr, wenn er spricht!
MARIEUnsrer Liebe droht Gefahr, wenn er spricht!
GRAFUnsrer Liebe droht Gefahr, wenn er spricht!
STADINGERDiesen Handel, ich begreif ihn nicht!
nimmt Adelhof beiseite
GRAFVerratet, Waffenbruder,
GRAFverratet mich nicht.
verdutzt und geschmeichelt
ADELHOFWie, Ihr? Wie könnt Ihr glauben -
ADELHOFich kenne Ritterpflicht!
BRENNERDer Mann hat eine Wut,
BRENNERsich in dies Haus zu drängen.
auf die Stirn zeigend
STADINGERDem Manne fehlt es hier,
STADINGERdrauf lasse ich mich hängen.
zu Adelhof
STADINGERWas werd ich nun vernehmen?
STADINGERWollt endlich Euch bequemen.
STADINGERDer Konrad und der Ritter sind -?
in Verlegenheit
ADELHOFSind -
SYSTEMMARIE, IRMENTRAUT, GRAF, GEORG UND BRENNER
ADELHOFSchweigt!
STADINGERRuhe!
ADELHOFSind beide - - ein paar Männer.
lachen
STADINGERFürwahr, Ihr seid ein Kenner!
STADINGERIch hätte nimmermehr gedacht,
STADINGERdass Ihr es schon so weit gebracht
STADINGERin der Naturgeschichte.
MARIEWas ficht den dicken Mann
MARIEwohl nur so plötzlich an?
GRAFNun ist der arme Mann
GRAFaufs neue übel dran.
STADINGERAlso bin ich in einer Falle?
ärgerlich
ADELHOFHol euch der Teufel alle!
ADELHOFIch finde mich in eure Kniffe
ADELHOFnicht hinein!
ADELHOFUnd bin es endlich müd,
ADELHOFder Narre hier zu sein!
MARIEIch kann mir dies
MARIEBetragen nicht erklären, nein,
MARIEder arme Mann kann bei Verstande nimmer sein!
GRAFMan kann sich
GRAFsein Betragen nicht erklären, nein,
GRAFman glaubt, er könne bei Verstande nimmer sein!
STADINGERNun seh ich's ein.
zu den übrigen
STADINGERBei dem Manne - glaubet mir -
STADINGERspukt es hier.
MARIEO nahte bald der Augenblick,
MARIEwo uns der Liebe süsses Glück,
MARIEdem unsre Herzen sich geweiht,
MARIEvom läst'gen Zwang befreit.
IRMENTRAUTO schön muss sein der Augenblick,
IRMENTRAUTwo uns der Liebe süsses Glück
IRMENTRAUTvom läst'gen Zwang befreit!
GEORGO nahte bald der Augenblick,
GEORGwo mich des Frohsinns süsses Glück,
GEORGdem ich mein Leben hab geweiht,
GEORGvom läst'gen Zwang befreit.
BRENNERReiste doch auf gutes Glück
BRENNERer nach Schwaben gleich zurück;
BRENNERdann wären wir auf lange Zeit
BRENNERvom läst'gen Zwang befreit.
ADELHOFIch glaub, es wär für mich ein Glück,
ADELHOFkehrt ich nach Schwaben schnell zurück;
ADELHOFdann wäre ich auf lange Zeit
ADELHOFvom Zwang befreit.
ADELHOFHol euch der Teufel!
STADINGEREs wäre für mein Haus ein Glück,
STADINGERkehrt er nach Schwaben bald zurück;
STADINGERdann wären wir auf lange Zeit
STADINGERvom Zwang befreit.
gehen ab
STADINGERDas ist ein närrischer Kauz; hoffentlich kommt er mir nun nicht wieder über die Schwelle.
Zu Marie und Irmentraut
STADINGERIhr beide macht euch fertig, zu meiner Schwester nach Speyer zu fahren.
Zu Marie
STADINGERDa bist du fürs erste geborgen!
MARIEAber Vater -
GRAFAber lieber Meister -
BRENNERDu bist und bleibst doch ein rechter Dickkopf. Meinetwegen, wenn du denn durchaus Krieg haben willst, ich gehe meiner Wege.
leise zum Grafen
BRENNEREure Leute?
ebenso
GRAFAlles bereit.
BRENNERSo wollen wir denn den letzten Angriff wagen.
Er geht ab
GRAFWohlan denn, Meister, da Ihr durchaus halsstarrig seid, so gehe auch ich meiner Wege; leb wohl, Marie, und Ihr, mögt Ihr nie bereuen, meinen redlichen Antrag von Euch gewiesen zu haben.
MARIEVater, wenn der Konrad geht, spring ich ins Wasser!
STADINGERDagegen gibt's Mittel; ich sperre dich ein.
MARIEIch lege meinen Kopf auf den Amboss!
STADINGERDa muss erst einer den Hammer schwingen.
MARIEIch hämmre mich selbst zu Tode!
STADINGERProbier's nur einmal. Es muss dir aber nicht unangenehm sein.
weinend Irmentraut um den Hals fallend
MARIEAch, Irmentraut, wer hätte das denken sollen.
ebenso
IRMENTRAUTO wir armen unglücklichen Mädchen!
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Brenner
eilig
BRENNERHab ich's nicht gesagt, dass der Teufel losgehen wird! Unten in der Strasse blitzen Harnische und Pickelhauben. Der Graf ist im Anzuge.
STADINGERGeh, mach keinen Spass.
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Georg
GEORGMeister, Meister, wir sind geliefert. Viele tausend Reisige sind im Anmarsch mit Lanzen und Schwertern.
STADINGERDonner und Hagel! Verrammelt das Haustor.
GEORGSie haben Mauerbrecher.
IRMENTRAUTMauerbrecher! All ihr Heiligen!
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ein Geselle
EIN GESELLEEin Diener vom Rat brachte dies Schreiben.
Er überreicht es und geht ab, woher er kam.
STADINGERHer damit! - Was will denn der hohe Rat von mir? Zu Brenner. Da, lies einmal.
zu Brenner und dem Grafen
GEORGNun kommt der Hauptwitz.
liest
BRENNER»Es ist ein Aufstand zu befürchten. Wir bitten und widrigenfalls befehlen wir Euch, zur Aufrechterhaltung der Ruhe unserer lieben Stadt, den Gesellen Konrad sogleich zu verheiraten.«
freudig
MARIEDank, lieber hoher Rat!
leise zum Grafen
BRENNERDas wird wirken!
STADINGERStahl und Funken - freilich, wenn sich nun gar der hochweise Rat in die Sache mengt - so heiratet euch in Kuckucks Namen!
fliegen sich in die Arme
MARIEDank, bester Vater!
umarmt gleichzeitig vor Freude Georg
IRMENTRAUTDank, lieber Meister!
abwehrend
GEORGNein, Jungfer, so ist die Sache nicht gemeint!
STADINGERUnd nun eilt zur Hintertür hinaus; die Kapelle ist nicht weit.
GRAFKomm, Marie, bald mein trautes Weib.
zur Seite ab
IRMENTRAUTihnen nach
IRMENTRAUTIch gehe mit als Brautjungfer.
zu Brenner
STADINGERDu hast ein gutes Mundwerk, geh dem Grafen entgegen und bewege ihn zum Rückzug.
BRENNERIch bringe die Sache in Ordnung. Verlass dich darauf!
Er geht ab
GEORGUnd ich, Meister, gehe nun auch meiner Wege, aber wir sehen uns wieder.
STADINGERDas denk ich.
GEORGIch will nur ein anderes Wams anziehen - es ist wegen des jungen Paares.
STADINGERTu das.
GEORGOb Ihr mich wohl darin wiedererkennen werdet?
STADINGERIn deinem andern Wams? Warum denn nicht?
GEORGIch meine nur so - aber es mag sein, wie es will -
Er schüttelt ihm die Hand
GEORGwir bleiben gute Freunde.
STADINGERKerl, was führst du denn für sonderbare Redensarten?
das Lachen unterdrückend
GEORGWir bleiben gute Freunde. Ihr seid zwar zuweilen grob, aber das abgerechnet - doch eine gute, ehrliche Haut.
STADINGERBursche, was unterstehst du dich!
GEORGNicht böse werden, Meister; nur eine Frage: Ihr kennt doch die Geschichte von dem Absalom, der mit seinem Zopf am Baume hängen blieb?
STADINGERWas soll's damit?
immer mit unterdrücktem Lachen
GEORGDieser Biedermann hatte einen langen Zopf, der aber, den sie Euch gedreht haben, hahaha - der ist noch viel länger - hahaha - auf Wiedersehn, Meister.
Er geht lachend ab
allein
STADINGERWas schwatzte der Bursche da vom Zopf? Das habe ich nicht verstanden. Wird wohl so eine Schnurre sein wie gewöhnlich. Es ist und bleibt doch ein aufgeweckter Kerl, der Georg, und wenn ich ihn ansehe, so gedenk ich stets meiner eigenen Jugendzeit. Nur verliebter war ich als er, und das ist doch - wenn man jung ist - mit die Hauptsache.
SYSTEMNr. 13 - Lied
STADINGERAuch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar,
STADINGERan Mut wie an Hoffnungen reich;
STADINGERbeim Amboss von jeher ein Meister, fürwahr,
STADINGERim Fleisse kam keiner mir gleich.
STADINGERIch liebte den Frohsinn, den Tanz, den Gesang,
STADINGERich küsste manch Dirnlein mit rosiger Wang' -
STADINGERihr Herz hat mir manche geweiht!
STADINGERDas war eine köstliche Zeit!
STADINGERVor älteren Zeiten sich vieles begab,
STADINGERwas heut noch uns würde erfreun;
STADINGERes regnete Manna vom Himmel herab,
STADINGERund unverfälscht trank man den Wein.
STADINGERZu Kanaan füllten im Hochzeitssaal
STADINGERdie Krüge von selber sich allzumal,
STADINGERfür durstige Kehlen bereit.
STADINGERDas war eine köstliche Zeit!
STADINGERWenn ehedem irgendein Ritter gewagt,
STADINGERdas Volk gar so hart zu bedrohn,
STADINGERda wurde nicht lang prozessiert und geklagt,
STADINGERman sprach aus 'nem anderen Ton.
STADINGERDenn wurden der Kummer und Jammer zu laut,
STADINGERso wehrte man sich mit dem Schwert seiner Haut,
STADINGERes wurde barbarisch gebleut!
STADINGERDas war eine köstliche Zeit!
STADINGERWenn jeder erglühte für Wahrheit und Recht,
STADINGERwenn Hader und Zwietracht nicht wär,
STADINGERwenn treu alle Frauen, der Wein immer echt,
STADINGERwenn Herzen und Beutel nie leer,
STADINGERwenn jeder bereit wär, mit tapferer Hand
STADINGERzu fechten in Not für das Vaterland,
STADINGERin Sachen des Glaubens kein Streit -
STADINGERdas wär eine köstliche Zeit!
STADINGEREinst waren die Mädchen so treu wie das Gold,
STADINGERund zog ihr Geliebter ins Feld,
STADINGERso schwuren sie ihm, wenn sterben er sollt,
STADINGERzu sterben gewiss unvermählt.
STADINGERSie dachten noch nicht, wenn gestorben der,
STADINGERwo nehmen wir gleich einen anderen her?
STADINGERSie waren noch nicht so gescheit;
STADINGERas war eine köstliche Zeit!
STADINGEREinst gab es noch Schätze, von Geistern bewacht,
STADINGERund manchem verwegenen Fant,
STADINGERder mutig hinausging in finsterer Nacht,
STADINGERkam Reichtum und Glück in die Hand.
STADINGERDa hatten die Geister noch Geld im Haus
STADINGERund liehen es ohne Prozente aus,
STADINGERder Geist war nicht arm, so wie heut;
STADINGERdas war eine köstliche Zeit!
STADINGEREinst galt das Versprechen mit Handschlag und Mund,
STADINGERda hatte die Feder noch Ruh'.
STADINGERSchloss damals ein Pärchen den eh'lichen Bund,
STADINGERso brauchte man wenig dazu.
STADINGERMan schrieb im Kontrakt bei der Liebe Schwur
STADINGERstatt Namen und Titel ein Kreuzlein nur,
STADINGERdas Kreuz kam nicht nach, so wie heut;
STADINGERdas war eine köstliche Zeit!
STADINGERWenn's wieder so würde, wie einstens es war,
STADINGERwo das Schwert nur für Recht sich erhob,
STADINGERwo, geschlagen im Kampfe, die sündige Schar
STADINGERwie Spreu vor dem Winde zerstob;
STADINGERwenn Rechtlichkeit käme als Waffenschmied
STADINGERund schüf auf dem Amboss, von Glut umsprüht,
STADINGERein Schwert, nur dem Guten geweiht -
STADINGERdas wär eine köstliche Zeit!
Er geht ab
Grosser Hof vor Stadingers Hause mit einer Mauer und einem grossen Tore in der Mitte. Die Fenster der Nachbarhäuser sind mit Schaulustigen angefüllt. Volk drängt sich zum Tore herein und sammelt sich auf der Mauer, den Zug erwartend
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
Stadinger von der Seite. Dann Brenner aus der Mitte
SYSTEMNr. 14 - Marsch
Die Musik beginnt in der Ferne
STADINGERWas ist denn das für eine Musik? Ich glaube, sie wollen mein Haus mit Sang und Klang stürmen.
eilig
BRENNERDu Glücklicher! Der Graf naht, aber in Lieb' und Eintracht mit Rittern und Vasallen, um sich bei dir zu bedanken.
STADINGERBedanken. Bei mir? Wofür denn?
BRENNERFür - hähähä - das wirst du gleich erfahren.
STADINGERDa bin ich sehr neugierig.
SYSTEMELFTER AUFTRITT
Grosser Zug von Rittern, Knappen, Herolden, Pagen, Trompetern, weissgekleideten Mädchen mit grünen Zweigen, Hofdamen usw., welche sich zur Seite und im Hintergrunde aufstellen. Dann Graf Liebenau, in glänzender Rittertracht. Marie an der Hand. Georg im Wappenrock mit Irmentraut. Wie der Graf eintritt, rufen.
ALLEHeil dem Grafen Liebenau.
knien vor Stadinger nieder
MARIETeurer Vater, Euren Segen!
STADINGERWie ist mir denn? Bin ich denn verhext? Ist denn das nicht der Konrad?
GRAFDer Graf von Liebenau und glückliche Gatte dieses Engels.
STADINGERStahl und Amboss! So ward ich betrogen?
GRAFVerzeiht, teurer Vater! Meine kindliche Liebe und Achtung sollen Euch überzeugen, dass ich Eure Tochter verdiene.
BRENNERGib nach, Alter, was hilft das Sträuben?
STADINGERAber - ruft mir einmal den dicken Schwaben her.
BRENNERDer ist abgereist und das Fräulein mit ihm!
GRAFGlückliche Reise!
zu Marien
STADINGERSo willst du den Ritter?
MARIEAch, Vater, ich hab ihn schon.
GEORGMeister, wir bleiben gute Freunde!
STADINGERWie, Georg - du auch? Jetzt wird mir die Geschichte mit dem langen Zopf klar. O ihr Spitzbubengesindel alle miteinander. - Ich bitte um Verzeihung, Herr Graf -
GRAFNennt mich Sohn.
STADINGERHerr - Sohn - hm - das Wort will noch nicht so recht rutschen - nun, da es denn der liebe Gott einmal so beschlossen, seid glücklich miteinander und nehmt meinen Segen. Es muss euch aber nicht unangenehm -
ihm in die Rede fallend
GEORGAber, Meister!
schlägt sich auf den Mund
MARIEDank, teurer Vater!
IRMENTRAUTSo recht, Meister!
BRENNERSo recht, Schwager!
ALLEHeil und Glück dem jungen Paare!
MARIEMir ist noch immer, als ob ich träume; dieser Glanz, dieser Reichtum -
GRAFUnd dennoch wiederhol ich dir: gedenkst du noch der Worte?
SYSTEMNr. 15 - Finale (Refrain)
GRAFGern gäb ich Glanz und Reichtum hin
GRAFfür dich, für deine Liebe!
MARIEGern gäb er Glanz und Reichtum hin
MARIEfür mich, für meine Liebe!
ALLE ÜBRIGENGern gäb er Glanz und Reichtum hin
ALLE ÜBRIGENfür dich und deine Liebe!
Gegen Schluss werden die Fahnen geschwenkt, und der Vorhang fällt.