Ach, wer das doch könnte

Louis Victor Franz Saar

Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht,

Hoch droben in Lüften mein Drache nun steht,

Die Rippen von Holze, der Leib von Papier,

Zwei Ohren, ein Schwänzlein sind all seine Zier;

Und ich denk': so drauf liegen

Im sonnigen Strahl,

Ach, wer doch das könnte

Nur ein einziges Mal!

Da guckt' ich dem Storch in das Sommernest dort:

Guten Morgen, Frau Storchen, geht die Reise bald fort?

Ich blickt' in die Häuser zum Schornstein hinein:

Papachen, Mamachen, wie seid Ihr so klein!

Tief unter mir säh' ich

Fluß, Hügel und Thal --

Ach, wer doch das könnte

Nur ein einziges Mal!

Und droben, gehoben, auf schwindelnder Bahn,

Da faßt' ich die Wolken, die segelnden an;

Ich ließ' mich besuchen von Schwalben und Krähn,

Und könnte die Lerchen, die singenden sehn,

Die Englein belauscht' ich

Im himmlischen Saal --

Ach, wer doch das könnte

Nur ein einziges Mal!