Um Mitternacht

Louise Pauline Marie Héritte-Viardot

Nun ruht und schlummert Alles,

Erd', Menschen, Wald und Wind,

Das Wasser leisen Falles

Nur durch die Blumen rinnt.

Der Mond mit vollem Scheine

Ruht breit auf jedem Dach;

In weiter Welt alleine

Bin ich zur Stund noch wach.

Und Alles, Lust und Schmerzen,

Bracht' ich in mir zur Ruh;

Noch Eins noch wacht im Herzen,

Nur Eins: und das bist Du!

Und Deines Bildes Friede

Folgt mir in Zeit und Raum:

Bei Tag wird er zum Liede,

Und Nachts wird er zum Traum!