Liebe

Luise Reichardt

Geliebter, wo zaudert

Dein irrender Fuß?

Die Nachtigall plaudert

Von Sehnsucht und Kuß.

Es flüstern die Bäume

Im goldenen Schein,

Es schlüpfen mir Träume

Zum Fenster herein.

Ach! kennst du das Schmachten

Der klopfenden Brust?

Dies Sinnen und Trachten

Voll Qual und voll Lust?

Beflügle die Eile

Und rette mich dir,

Bei nächtlicher Weile

Entfliehn wir von hier.

Die Segel, sie schwellen,

Die Furcht ist nur Tand:

Dort, jenseit den Wellen

Ist väterlich Land.

Die Heimat entfliehet; --

So fahre sie hin!

Die Liebe, sie ziehet

Gewaltig den Sinn.

Horch! wollüstig klingen

Die Wellen im Meer,

Sie hüpfen und springen

Mutwillig einher,

Und sollten sie klagen?

Sie rufen nach dir!

Sie wissen, sie tragen

Die Liebe von hier.