Der Dämm'rungstau

Balfe, Michael William

Der Dämmrungstau deckt sanft der Halme Grün,

dass ringsumher die Fluren magisch glüh'n.

Still liegt das Dorf in traulich süßer Ruh',

die alten Eichen flüstern sich nur zu.

Das Landvolk drängt sich um den Leiermann,

belauscht sein Spiel und hört die Lieder an.

Das Mütterchen dreht nun ihr Rad nicht mehr,

sie gibt recht gern den Märchenschatz jetzt her.

All, alles fort! Musik und Scherzeswort

stört nicht den Traum an diesem trauten Ort.

All, alles fort! Ich stehe sinnend hier;

welch holden Reiz gewährt die Gegend mir!

Dort die Ruine trotzt der Zeit, dem Sturm,

die Lüfte pfeifen durch den hohlen Turm,

um dessen Fenster dunkler Efeu rankt,

dass kaum ein Strahl des Lichts durch sie gelangt.

Der alte Torweg zeigt den Hof so leer,

ihn decket Gras; hier herrschet kein Leben mehr.

Wenn die Natur oft neues Leben schafft,

so zeigt das Herz auch mächt'ge Schöpferkraft!