Der Seemann seufzt
Balfe, Michael William
Der Seemann seufzt, wenn fern das Ufer sinkt
und jeder Turm dort schwindet in den Strand.
Vom hohen Mast, so weit sein Auge dringt,
blickt er zurück zum teuren Heimatland.
Des Hauses Glück, das ihm nun nicht mehr lacht,
dem jetzt die Ferne Doppelwert verleiht,
glänzt gleich dem Zauber einer Mondscheinnacht,
die Farben schwächt nie, mildert nur die Zeit.
Treu wie der Kompass heimwärts zeigt sein Herz,
durch alle Schrecken, durch des Sturmes Weh'n.
Nur einmal noch, dann trotzt er jedem Schmerz,
möcht' er der Teuren lächelnd Auge seh'n.
Wenn matt des Morgens Silberlicht erscheint,
wenn sich des Abends Wolke senkt herab,
wenn See und Luft das nächt'ge Dunkel eint,
denkt er des Blicks, den scheidend sie ihm gab.
Ihr sanfter Atem schwebt so leicht ihm nach,
von Pol zu Pol folgt ihm ihr holdes Bild,
und wenn der Sturmwind Mast und Steuer brach,
haucht süßen Trost die Hoffnung ihm so mild.
Ihr Name prangt in manchem würz'gen Baum,
ihn trägt der Pisang fern in Waldesnacht,
wo bunte Vöglein schwirren durch den Raum,
die Riesenpalm' den Goldstrom überdacht.
Doch sieh', er naht dem Land, da liegt es schon!
Sieh' überm Riff wie lebhaft sich's bewegt!
Und horch, der fernen Stimmen wirrer Ton,
wie jeder Laut ein Willkomm zu ihm trägt!
Sie ist's! Sie ist es selbst, sie schwenkt die Hand!
Schon ist der Anker fest, die Leinwand fällt!
Schon legt die Barke an; er springt ans Land,
hält sie im Arm, sein Liebstes auf der Welt.