Am Frühlingsmorgen

M. Blumner

Wie tönt um mich so süßer Schall!

Schon weckt die frühe Nachtigall

Der kühle Maienmorgen;

Und froh begrüßt vom Vögelchor,

Steigt groß und hell die Sonn' empor,

Die kurz ihr Licht verborgen.

Die Lerch' erwacht auf frischer Au,

Und schüttelt sich den Perlenthau

Vom bräunlichen Gefieder;

Sie schwebt und glänzet, kaum gesehn,

Und trillert aus besonnten Höh'n

Im Morgenlied hernieder.

Wohlauf', o neubelebtes Herz,

Der Sängerin dich himmelwärts

Mit Jubel nachzuschwingen!

Wohlauf, dem Herrn, der weit und breit

Allliebend Lust und Leben streut,

Dein Morgenlied zu singen!

Ja, dich, du Segensquell, erhebt

Was nur ein halbes Leben lebt,

Und freut sich deiner Güte,

Dir zollt das nied're Veilchen Duft;

Dich preist, gesä't in blaue Luft,

Des Apfelbaumes Blühte.

Der kleine Fisch im klaren See,

Der rege Wurm auf bunten Klee

Dankt freudig dir sein Leben.

Dir dankt der laute Bienenschwarm,

Dir Schmetterlinge, frei von Harm,

Die ihrer Hüll entschweben.

Und hell aus tausend Kehlen schallt

Der Vögel Lied vom Birkenwald

Zu deines Thrones Stufen.

Durch deine Hand gesättigt ruht

Im hohen Nest des Raben Brut,

Die früh dich angerufen.

Das Wild im grünen Dickicht preist

Dich, der's in dunkler Nacht gespeist,

Und legt auf Moos sich nieder.

Froh kehret Roß und Rind und Schaf,

Froh kehrt der Mensch, erquickt vom Schlaf,

Zu Weid' und Arbeit wieder.

Auch ich, o Schöpfer, jauchz' empor

In deiner Schöpfung großem Chor,

Mit Kraft zum Werk' erquicket,

Da rings mein Auge, hell und frisch,

Ins tausendfache Lustgemisch

Belebter Wesen blicket.

O Gott, wie du, von Lieb erfüllt,

Laß immer mich, dein Ebenbild,

Durchs Erdenleben wallen;

Und wenn dies Leben einst verblüht,

Vollkommner dir mein Jubellied

Im Himmelschor erschallen.