Die Kindheit

M. Hauptmann

Wenn die Abendröthe

Dorf und Hain umwallt,

Und die Weidenflöte

Hell zum Reigen schallt;

Deine Lenzgefühle

Wähn' ich dann erneut,

Du, der Knabenspiele

Süße Blumenzeit!

Wie der Mond aus grauer

Nebeldämmrung Flor,

Hebt aus öder Trauer

Sich mein Geist empor,

Wenn mit Spiel und Tanze

Mir dein Morgenbild

Sich im Rosenglanze

Zauberisch enthüllt,

Ach! mit welchem Reize

Dämmert das Revier

Stiller Todtenkreuze,

Kindheit, neben dir!

Deine Nacht voll Sorgen

Dunkelt schon von fern,

Der Vollendung Morgen

Folgt kein Abendstern.