Durch die Lüfte, schmerzbeklommen

M. Hauptmann

Durch die Lüfte, schmerzbeklommen,

Kommt der bleiche Mond geschwommen:

Weil er keine Ruhe findet,

Wandelt stets der Liebentfachte

Sachte, sachte,

Und verschwebet und verschwindet,

Als er just zu ruhn gedachte.

Über goldner Erdenaue

Schwebt der Frühlingswind, der laue,

Und er fächelt mit Gekose

Primel erst und Pulsatille

Stille, stille,

Aber eh sich zeigt die Rose,

Treibt ihn fort ein fremder Wille.

Auf smaragdnen, grünen Wogen

Kommt der schöne Schwan gezogen,

Und mit schmerzlichem Behagen

Furcht er Linien und Kreise

Leise, leise,

Und vergeht in seinen Klagen,

Eh' er kommt an's Ziel der Reise.