Zur Sommerzeit
M. Hauptmann
Zur Sommerszeit,
Da schlagen weit
Die liebbegehr'nden Herzen,
Im Morgengrau,
Im Mittagsblau,
Bei lichten Sternenkerzen;
Und blickt der liebe Mond darein,
Da wird's ein himmlisch Sehnen,
Ein Freudenquell aus Thränen,
Aus Scheidegruß ein Hoffnungschein.
Wenn's Einen trifft,
Daß er umschifft
Der Liebe grüne Inseln,
Und ihm zerschellt
Am Eis der Welt
Sein Schiff, -- wozu das Winseln?
Der Mond beglänzt den Wellenlauf,
Der Schiffer ist verschollen,
Wo seine Thränen quollen,
Blüh'n hell am Strande Rosen auf.
O Rosen blüht,
O Blicke glüht,
Schlingt euch in süße Bande.
Wer Klippen mied,
Stimm' an ein Lied,
Geh' froh gesellt am Strande.
Manch Lieben ist so hoch und klar,
Daß auch aus Wellenringen
Versunkne Schiffer singen:
Glück auf, Glück auf dem sel'gen Paar!