Wo Granaten schwellend glühen

M. Kretschmar

An des Mondes lichtem Silberglanze

Wandl' ich unter meinen Blumen hin,

Wähle mir die köstlichsten zum Kranze,

Still zu deuten den verborgnen Sinn.

Wenn ich athmend ihre Düfte sauge,

Trink' ich jener sel'gen Stunde Gluth,

Da in deinem dunkeln Flammenauge,

Schöner Jüngling, ich zuerst geruht.

Die Granate seh' ich schwellend glühen,

Die Narzisse würzt die laue Luft,

Bunte Tulipanenfelder blühen,

Und es haucht die Rose süßen Duft.

Doch aus all den Blüthenkelchen sauge

Ich nur immer Eines Namens Klang,

Seit dein Liebe-glühend Flammenauge,

Schöner Jüngling, mir das Herz durchdrang.

Wenn die weichen Lüfte mich umsäuseln

Und die hellen Abendwolken ziehn

Und des Geisblatts Locken sich durchkräuseln

Und die bunten Flocken spielend fliehn,

Wenn ich dann in's Blüthenmeer mich tauche,

Wie mein Busen hoch und höher wallt!

Alles zieht zu deinem Flammenauge,

Schöner Jüngling, mich mit Allgewalt.

Zn der Mond-durchglänzten Rebenlaube

Will ich ruhen von der süßen Qual;

Weil ich liebend deine Liebe glaube,

Füllt die Seele sel'ger Hoffnung Strahl;

Und entschlummr' ich dort im weichen Hauche,

Den ergießt der blühnde Mandelbaum,

Schöner Jüngling mit dem Flammenange,

Dann erscheint dein Bild wohl meinem Traum!