Laut und traut

M. Melville

Singvöglein, sieh, wie ringsum schon

den Lenz die Blüten preisen,

wohlauf, und stimm mit hellem Ton

auch an nun deine Weisen;

Beispiel sei dir die Nachtigall,

die in den duftgen Zweigen,

sieht staunend sie die Wunder all,

sogleich sich mischt mit lautem Schall

holdselig in den Reigen.

Singvöglein, sing!

Wär ich ein Knabe flink, gewandt,

mit leicht beschwingten Füßen,

ich haschte dich mit kluger Hand,

Singvöglein, müsstest büßen;

ein goldnes Hüttlein baute ich

und schlöss dich ein in Eile,

Singvöglein, traun, du sträubtest dich,

doch endlich sängst du sicherlich,

ach, schon vor Langerweile!

Singvöglein, sing!

Ein frommer Mönch gedankenvoll

schritt unter grünen Bäumen;

wie da des Vogels Lied erscholl,

befiel ihn selges Träumen;

ihm wurden tausend Jahr zum Nu,

wer mag den Bann ermessen?

Singvöglein, sing, o sing nur zu,

dass Zeit und Welt in süßer Ruh

auch wir einmal vergessen.

Singvöglein, sing!