Am Meer

M. Reger

Unendlich dehnt sich das brausende Meer.

Am Ufer knie einsam ich nieder,

Anbetend in Ehrfurcht den Geist, der so hehr

Im Meere auch spiegelt sich wider.

Dem spiele der Wellen folgt sinnend mein Blick,

Die zischend am Ufer sich bäumen:

Verlornes Leben, verlorenes Glück,

Verlorenes Leben und Träumen!

Von Wellen der Liebe, von Wellen der Lust

Die Schwestern mir scheinen zu sprechen,

Ob hier nun die Wellen, ob dort in der Brust

Gefühle sich bäumen und brechen.

Im Meer wie im Herzen folgt Ebbe und Flut,

Ein ewiges Kommen und Gehen,

Was wild erst sich bäumet in trotzigem Mut,

Muß leise vergehen, verwehen.