Die Nonnen

M. Reger

Helle Silberglocken schwingen

durch den kühlen Tempelhain,

junge heiße Seelen singen

in die stille Nacht hinein.

"O süße Mutter des Einen,

um den wir beten und weinen,

Maria, nimm dich unser gnädig an!"

Wieder tönt das Liebeszagen

voll unsäglich bangem Laut,

zitternd wie das ängstige Klagen

einer sterbenden Braut

"O süßer Sohn der Einen,

wir beten zu dir und weinen,

Christ, unser Herr, hör' deiner Mägde Flehn!"

Sieh, und aus dem goldnen Rahmen

tritt der Heiland nun herfür,

daß er ihre Stirn berühr',

und die Lippen hauchen Amen!

Tiefer noch beugen die Reinen

das Knie und lächeln und weinen -

in roten Herzen blüht ein Wunder auf.