Die Primeln

M. Reger

Sieh, Liebchen, hier im Waldestal

das Plätzchen unvergessen,

wo kosend wir zum letzenmal

im letzen Herbst gesessen!

Und sieh, nun sind in goldner Tracht

hier an derselben Stelle

die ersten Primeln aufgewacht,

als wär's des Lenzes Schwelle!

Siehst du, wie Liebe Wunder tut,

daß wenn der Schnee zerflossen,

dort, wo ein Liebespaar geruht,

die ersten Primeln sprossen?

Nun wollen doppelt eifrig wir,

wenn Moos und Gräsen schwellen,

fürs nächste Jahr im Waldrevier

die Primelsaat bestellen.

Dann lächeln wir ob unserm Streich,

wenn Berg und Täler wimmeln

und keiner weiß, warum so reich

geraten sind die Primeln.