Böser Zufall
M. Roeder
"Du Wildfang mit dem Schelmenaug',
Laß nur das Laufen sein;
Und liefst Du bis an's End' der Welt,
Ich holte doch Dich ein!"
"Und hab' ich Dich, so schling' ich fest
Den Arm um Deinen Leib
Und küsse Deinen rothen Mund
Und nehme Dich zum Weib!" --
" 'Ei, Jäger,' " ruft die blonde Maid,
" 'Das thust Du nicht, ich wett'!
Zu Nürnberg hängt man keinen nicht,
Ehvor man ihn denn hätt'!' "
D'rauf eilt sie tiefer in den Wald
Und wendet oft den Blick:
Ach, Jäger, liebster Jäger mein,
Wie weit bleibst du zurück!
Doch plötzlich, -- welch' ein Mißgeschick!
Welch' schlimmes Ohngefähr! --
Fließt da, wohl tief und breit genug,
Ein Bächlein in die Quer'!
Die Maid erschrickt, wird blaß und roth,
Und trippelt her und hin,
Das Auge schaut nach Rettung um --
Der Schalk, der Schalk bleibt d'rin.
Der Jäger aber eilt herzu;
Er schlingt um sie den Arm,
Er küßt sie auf den rothen Mund
So herzig und so warm,
Und als der nächtes Kirchtag kam,
Da hat er sie gefreit. --
Flöß nur das Bächlein nicht querein,
Die liefen wohl noch heut'!