Des Sängers Reiselied
M. Scharf
Frisch auf! Sänger, laßt uns reisen,
Hin, wo Sang und Lied erschallt;
Und in wohlig-kräft'gen Weisen
Fried' und Freude widerhallt.
Wo aus holden blauen Augen
Uns der Liebe Gruß entzückt,
Und aus zarten warmen Händen
Uns ein Sträußchen hochbeglückt.
Wo der Zaubersaft der Reben
Feurig Sinn und Herz belebt;
Wo ein geistig freies Leben
Menschenwürde weckt und hebt;
Wo Natur und Kunst beflissen,
Uns mit Reizen zu erfreu'n,
Und wir davon hingerissen
Freudig uns dem Guten weih'n,
Drum wohlan! so laßt uns ziehen
Zu den Brüdern da und dort,
Und mit Eifer uns bemühen,
Zu erbau'n der Freiheit Hort.
Jener Freiheit, die die Bande,
Des Gemeinen bricht und löst,
Daß die Menschheit nicht zur Schande,
Ferner Licht und Recht verstößt.
Daß man auch im deutschen Lande
Wahn und Zwietracht wacker dämpft;
In der Eintracht heil'gem Bande
Nur für's Große, Ganze kämpft,
Dann kann auch der Muse Segen,
Die das große Werk begann,
Uns beglücken allerwegen,
Und die goldne Zeit bricht an.