Weihnachtsfriede

M. Schillings

Die Flocken schaukeln leise nieder --

Das ist der Erde Feiertag.

Der Jubel heller Kinderlieder

Mischt sie mit ernstem Glockenschlag.

Still steht der Pflug, die Hämmer ruhen,

Die Ellen selbst sind ausgebrannt.

Und lächelnd geht auf goldnen Schuhen

Der Engel Gottes durch das Land.

Und Sterne schimmern seinem Walten

Mit wunderlieblichem Beleucht --

Da wollen sich die Hände falten,

Und trotz'ge Augen werden feucht.

Und wenn erstrahlend hell im Innern

Der Kindheit treues Bild ersteht,

Fügt sich aus heiligem Erinnern

Und hei&szigem Hoffen das Gebet:

Du, der dem Glanz der Nadelbäume

Die Last der goldnen Früchte reift,

Der nur der Kinder reine Träume

Mit seinem weißen Flügel streift,

Scheuch mir mit deiner Gnädenfülle

Die Unrast, die mich trieb und schlug;

Gib Frieden deiner Weihnachtsstille

Und Jugend einen Atemzug!

Zeig mir mich selbst als blonden Buben

In bunter Lichter Zauberbann

Und füll die alten lieben Stuben

Mit meinen teuren Toten an.

Trag Glockenton mir durchs Gelände,

Richt mir die Augen himmelwärts

Und leg zwei güt'ge, kühle Hände

Auf mein gequältes Menschenherz...