Reisen
M. Schütter
Wie reizend ist das Reisen,
man setzt sich in die Eisenbahn,
hat angenehme Kleider an,
vorüber fliegen Häuser, Bäume,
als wären es nur duft'ge Träume.
Die Räder knattern leise.
Auf irgendwelche Art und Weise
kommt man in Konversation
und ist beinah befreundet schon.
Reisen hat einen ganz bestimmten Ton,
besteh'nd aus Freundlichkeit und Leichtsinn,
aus ein klein wenig Achtung vor dem Leben,
zu wenig nicht und nicht zu viel.
Natürlich setzt man sich ein Ziel,
man nimmt es jedoch gar nicht wichtig.
Wicht'ges wird nichtig,
denn man empfindet es als Spiel.
Heut ist man hier und morgen dort,
wer reist, gelangt von Ort zu Ort.
Die Städte, Dörfer, Flüsse, Seen,
die Gassen, Mappen, Mädchen, Buben,
die Bahnhofhallen, Lesestuben,
und was man ausserdem gesehn,
wird nachher ins Notizbuch aufgeschrieben,
weil's in Erinnerung geblieben.