Der Heereszug
M. Schweikert
Das Heer zog durchs Gebirge
Reisig und hoch zu Roß;
Rot um die Ketten und Helme
Der Morgen schoß.
Feuer flog unter den Hufen,
Herrisch klirrte der Stahl,
Es stieß das Drommeten und Rufen
Durch Schluchten und Tal.
Und als sie vorüberprunkten
Trutzig in Trott und Tritt,
Die junge Frau Sonne lachte:
"Wohlan! ich ziehe mit.
Nichts schöner, als flammen und fließen
In dröhnender Schilde Schein
Und um das Dräuen von Spießen
Wie Silber fein!"
Und als mit Trommeln und Rauschen
Der Marsch vorüberglitt,
Aufschrie der Sturm mit Jauchzen:
"Wohlan! ich ziehe mit.
Nichts schöner, als flattern und fliegen
Um Mähnen und Helmbusch her
Und bauschende Banner beigen
Von Seide schwer!"
Zuletzt auf rotem Rößlein
Ein stiller Reiter ritt,
Das Krummschwert quer im Sattel --
"Wohlan! ich ziehe mit.
Nichts schöner, als Kriegsvolk in Seiden
Und Panzer und Paukenschlag,
Goldene Garben zu schneiden
Am Erntetag!"