Totenhausen

M. Schweikert

Wo leis' das Kornfeld wogt und wallt,

Der Feldweg führt im Sande,

Gehöfte standen reich bestellt

Am blumigen Waldesrande.

Der Rauch aus Hütten traulich stieg

Beim Mittagsmahl vom Herde.

Spurlos im dreißigjähr'gen Krieg

Das Dorf schwand von der Erde.

Wann jeder Laut im Land verstummt

In Sonnenmittagsstille,

Durchs Heidekraut die Biene summt,

Verträumt nur zirpt die Grille:

In Wald und Ährenfeld erhebt

Sich still und fern ein Sausen;

Der Landmann hört's im Korn und bebt

Und murmelt: Totenhausen.

Aus längst verlorner Zeit herbei

Hört man's wie Glocken gehen,

Wie Dorfgeräusche mancherlei

In glühender Lüfte Wehen:

Ein leiser frommer Erntesang

Der Schnitter bei dem Mähen,

Und Sichelschnitt und Sensenklang

Und ferner Hähne Krähen.

Doch wenn ein Luftzug stärker rührt

Im nahen Wald die Blätter,

Da tönt's wie Flammen, hell geschürt,

Wie schwedisch Horngeschmetter.

Ein Falter flattert weißbeschwingt

Durch flüsterndes Getreide –

Das ferne Glockenläuten klingt

So traurig auf der Heide.