Nachtwind
M. Seith-Böhm
Wenn der Abend düster dunkelt
und der Nachtwind sich erhebt,
nur die Lampe bei dir funkelt,
einzig Licht, das um dich lebt; -
denn die Sterne sind verhangen,
und die Hütten schlafen schon, -
fühlst du mit verhaltnem Bangen
dunkler Mächte dunkles Drohn.
Und Du schiebst das Buch zurücke,
weichend aus gewohnter Spur,
suchst geschloßnen Augs die Brücke
zur dich rufenden Natur.
Wie's aus schwarzen Tiefen brauset,
seufzend schwillt und wieder fällt;
wie's dann wieder lange pauset
und der Bach sich schadlos hält!
Plötzlich stößt der Sturm den Flügel
deines Fensters zürnend zu, -
trotzig schließest du den Bügel;
draußen herrscht erschrockne Ruh.
Und dann schüttelst du mit einem
dich des Schauders wieder frei,
wendest wieder dich zu Deinem,
und der Zauber ist vorbei.