Das Veilchen
M. Stange
Ging ein Mägdlein durch die Au,
Blumen schauten weiss und blau
Aus dem grünen Bett.
An des Gartens Zaungeheg
Hart am vielbetretnen Weg
Stand ein Violet.
Sprach die Schöne weich und sanft:
"Veilchen an der Strasse Ranft
Thust mir herzlich leid,
Bist im Unkraut halb versteckt,
Und mit Strassenstaub bedeckt
Ist dein blaues Kleid.
Kommt des Müllers bunte Kuh,
Die am Raine grast, herzu,
Ist's um dich gescheh'n.
Ketten soll dich meine Hand,
Sollst an meines Hutes Band
Duften und vergeh'n."
Und das kleine Veilchen spricht:
"Sorge dich, o Mägdlein, nicht,
Was mein Schicksal sei.
Ob mich eine Kuh zerzupft,
Ob ein Gänschen ab mich rupft,
Ist mir einerlei."