Der Flatterhafte
M. Stange
In dem Park bei Mondenschein
unter Lindenzweigen
schwingen schöne Jungfräulein
sich in holdem Reigen.
Kommt ein frisches, junges Blut
durch den Busch gegangen,
raubt sich Küsse kurz und gut
von den süßen Wangen.
Ist bald hier und ist bald dort;
will ihn eine haschen,
ist er lange wieder fort.
Keine fängt den Raschen.
Amor steht versteckt im Hain
unter blüh'ndem Flieder.
Sieh, da kommt ein Mägdelein,
wirft sich vor ihm nieder.
Betet sanft und inniglich:
„Den da möcht' ich haben;
lieber Gott, ich bitte dich,
schieß mir doch den Knaben!“
Amor legt den Bogen an
auf den flüchtig Flinken,
zielt, und lässt den Bogen dann
traurig wieder sinken.
Spricht: „Bei solchem Flattermann
hab' ich nichts zu hoffen;
wer nicht stille stehen kann,
der wird nicht getroffen!“