Maiklänge

M. Stange

Die Blätterspitzchen im dunkeln Hain

Zerbrechen der Knospe Gefängnis,

Bei der Frühlingssonne zitterndem Schein

Wird ihnen zu bang in der Engnis.

Die schützenden Decken, sie sprengen sie los,

Erschließen den zarten innersten Schooß

Den Stimmen des Lenzes, der Liebe!

Die Schwalben kommen vom südlichen Meer,

Die frohen, willkommenen Gäste,

Der Storch stolziert auf den Dächern einher

Und sucht sich ein Plätzchen zum Neste,

Die Finken locken und schlagen vor Lust,

Als sollte zerspringen die schmetternde Brust

Bei den Stimmen des Lenzes, der Liebe!

Das Leben drängt sich hervor und quillt

In tausendfarbigen Blüthen --

Was willst du die Sehnsucht, die nimmer sich stillt,

Im Busen verschlossen noch hüten?

Hervor, was im Herzen Dir schlummer so bang,

Dann wird auch die Klage zum Jubelgesang

In den Stimmen des Lenzes, der Liebe!