Meine Wünsche
M. von Dietrichstein
Ein wenig Raum auf grüner Flur,
Umhüllt vom Schleier dunkler Lauben,
Hygæa's Quell, das Gold der Trauben
Und Kuss um Kuss bedarf ich nur.
Ein wenig Lieb', ein wenig Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.
Ein wenig Scherz im kleinen Raum
Muss an des Bechers Rand erwachen:
Bei Kuss und Wein, bei Scherz und Lachen
Merkt man die Flug der Hore kaum.
Ein wenig Scherz, ein wenig Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.
Die Freude schläft, trinkt man allein,
Dann löst ein Freund der Seele Schlummer:
In seinen Armen schläft der Kummer,
Wie Wespen unter Blüthen, ein.
Ein alter Freund, ein alter Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.
Der reiche Plutus fessle dann
Das leichte Glück mit goldnen Ketten,
Das auf der Täuschung Schwanenbetten
Oft neckend, wie ein Traum, zerrann.
Ein wenig Gold, ein wenig Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.
Und blüht der Heimath Kranz nicht mehr,
So glüht dem Gold die ferne Rebe
Und lächelnd schleppe die junge Hebe
Das Feuer fremden Zonen hier.
Ein wenig Wechsel, selbst im Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.
Ein Fass im Schooss der Einsamkeit,
Die Freunde, Glück, und Liebe theilen --
Dann mag die Zeit vorüber eilen;
Wer zählt die Becher und die Zeit?
Von allem viel, vor allem Wein,
Das ist genug, um froh zu sein.