Abschied
M. von Kralik
Der Erdenstoff verzehrt sich sacht und mild,
bald ist's vorbei, und du bist ganz nur Bild;
du schwebst hinweg, schon strahlen wie von ferne
in fremdem Lichtglanz deiner Augen Sterne.
Sei, Bild, mein Schild, so lang' der heiße Tag
mich noch umtost mit wildem Stoß und Schlag!
O senke, steigt der dunkle Zorn mir wieder,
auf mich herab die träumerischen Lieder,
die Blicke, die, dem reinen Kinde gleich,
nicht wissen, wie so gut sie sind, so weich!
Ganz Geist, kannst du nun allerorten leben,
und auch zu mir, dem Umgetrieb'nen, schweben.
Vielleicht ist doch in nicht zu ferner Zeit
ein bleibend Haus zur Rast für mich bereit;
dann schwinge sanft um meinen Totenhügel
am stillen Abend deine Geisterflügel!