Arie des Rekared aus der Oper „Blume und Weissblume“

M. von Kralik

In welchen Hain bin ich entrückt?

Nie ward mein Auge so verzückt!

Er ist der Sommerwonne voll,

Als ob er Gottes Hand entquoll am ersten Tag.

Kein Rauschen weit,

Als nur der kleinen Vöglein Streit

In süßen Weisen.

Fürwahr, das muss ich preisen,

Was hier blüht und glüht;

Ganz im Zauber ist mein Gemüt.

Euch, ihr Blumen, gesteh' ich es gern,

Was mich hält von den Menschen so fern,

Die ihr in ewigem Gebet zur Sonne hingewendet steht,

Die ihr mit sehnendem Gemüt dem Lichte hell entgegen blüht.

Ihr rührt mich so, dass ich fast glaub',

Ihr wärt nicht blind, nicht fühllos, taub,

Dass ich fast schwörte, ihr könntet sprechen,

Dass ich mich fast scheue, euch zu brechen,

Wie ich euch oft gebrochen hab,

Als ich euch meiner Freundin gab.

Du duftend, goldig blühendes Kraut,

Du warst ihr immer sonst so traut;

Ich breche dich, ihrer zu gedenken;

Daß ich dich nehm, lass dich's nicht kränken!

Wenn ich dich hier fern von ihr seh',

Wird mir das Herz so schwer!

Tat ich dir Leid, ich will es sühnen.