Auf dem Kahlenberg

M. von Kralik

O Kahlenberg, von dessen Rücken ich so manchen Tag

und manchen Abend sah die Sonne durch den dichten Hag

mir strahlen mit allgold'nem Strahl,

einst kommt die Zeit, da dich ich missen werde.

Mein Leib liegt dann in kühlen Grüften, und mein Geist,

wer weiß, wo der, von allen Schranken los und ledig, kreist!

Vielleicht kommt er doch auch einmal

herab zu dir, du liebster Winkel Erde!

Erschreckt mir dann nicht allzusehr,

ihr Wanderer auf dunkeln Waldeswegen,

kommt euch alsdann von ungefähr

mein Geist, der lebend Gleiches tat,

geschwinden Schritts entgegen.

Er tut euch nichts. Er hütet keinen ungerechten Schatz.

Er will von euch nichts haben, nein; ihn zieht

nur Liebe, Liebe hin zum liebsten Platz.