Das Lied des Lebens
M. von Kralik
Wie lang' schon ist's, dass wir so wandern
im Schattenreich der dunklen Höhle,
endlose Gänge, einen nach dem andern,
durchirrend mit verzagter Seele!
Dort oben strömt der Sonne Gold,
göttlich verschwendet, zauberhold,
dort oben schallt in tausendstimmigem Rauschen
das Lied des Lebens! Ach, kein Schimmer dringt
in uns're Nacht; wir steh'n, wir lauschen,
ob denn kein leiser Ton erklingt,
der erste Gruß, die erste holde Kunde!
Du Liebste, könnt' kich Hand in Hand
mit dir begrüßen einmal noch die Stunde,
die uns zurückführt in das lichte Land!