Die Wallfahrt
M. von Kralik
Von Lärchenwipfeln lind umbauscht
träumt sanft die Wallfahrtskapelle,
und an des Hügels Füßen rauscht
die alte Gnadenquelle.
Die Bäuerin steigt im besten Staat
hinan die verwetzten Stufen,
die liebe Mutter vom guten Rat
um Hilfe anzurufen.
Ihr Knäblein tat einen bösen Tritt
und kann seitdem nicht gehen.
Maria, die selber so viel litt,
soll huldvoll niedersehen.
Sie hebt das Kindlein zum Altar,
sie will es fast erzwingen.
Maria, die selber Mutter war,
muss ihr doch Hilfe bringen!
Und siehe, das kranke Kindlein schaut
so friedlich wie lang' schon nimmer;
in seinen ruhigen Augen blaut
unirdisch ein ferner Schimmer.
Es hebt die Händchen glücklich umsonnt
zum Jesukind voll Verlangen.
Es hat auf einmal gehen gekonnt
und ist in den Himmel gegangen.
Zwei Mütter sprechen ganz allein
mitsammen von Schmerz und Erhebung,
die eine in goldenem Glorienschein,
die and're in stiller Ergebung.