Im Garten von Schönbrunn

M. von Kralik

Schon nahet Pfingsten, das liebliche Fest

mit seinen Blüten und Wonnen,

schon glühen im Garten von Schönbrunn

die Rosen und plätschern die Bronnen.

Hell glänzen die Marmorbilder im Grün

und scheinen wie träumend zu lauschen

dem Taubengirren, dem Amselschlag,

dem Blätter- und Wasserrauschen.

Und dort am Tischchen im Gartenhaus,

umduftet von Geißblatt und Flieder,

sitzt einsam ein finsterer Mann und blickt

tiefsinnend vor sich nieder.

Ihn kümmert kein Lenz. Um die Lobau

schweift sein Adlerblick auf der Karte,

und den Donner der Schlacht bei Aspern hört

im Geist schon Bonaparte!

Zwei Schwalben aber in ihrem Nest

am Gartenhausfensterbogen,

die schwatzen von einer Insel im Meer,

über die sie hierher geflogen.