Mein Lied sei Feuer
M. von Kralik
Mein Lied sei Feuer, mein Lied sei Glut,
mein Lied sei schneidende Klinge,
es töne wie Schwertschlag, es leuchte wie Blut,
zu schützen des Glaubens hochherrliches Gut,
dafür ich kämpfe und ringe.
Mein Lied sei zart und der Anmut Bild
wie Lilien und Rosen am Hage,
der Unschuld Spiegel, der Minne Schild
erblüh' es der Herrin, der Jungfrau mild,
die fromm im Herzen ich trage.
Mein Lied sei stolz von ad'liger Art
und suche das Höchste zu wagen;
Gemeines und Nied'res, dem Staube gepaart
mag unten vermodern - ich wag's, auf der Fahrt
zur Sonne die Flügel zu schlagen.
Mein Lied sei Leben, mein Lied sei Licht,
nicht Kleben und Weben am Staube!
Und wenn einst die irdische Hülle zerbricht,
dann sterben die Weisen, die Lieder mir nicht,
dann jubelt ewig der Glaube.