Rauhnacht

M. von Kralik

Es klirrt das Eis, es kracht der Forst,

ins Bergtal stürzt mit Brausen

der Schneesturm von der Gipfel Horst

und füllt die Nacht mit Grausen.

Das Bauernhaus lugt tief verweht

aus schneeumwallter Grube.

Die Leute wärmen sich noch spät

am Ofen in der Stube.

Man sieht sich kaum. Es brennt kein Licht.

Die Rede geht verhalten.

Der Nähn erzählt, und was er spricht,

erweckt die Wunder der Alten.

Da draußen rast das wilde Heer

vorbei im Sturmgetöse,

voran mit hochgezücktem Speer

im wallenden Mantel der Böse.

Und hinter ihm die tolle Fahrt

der Hexen und Gespenster.

Weh' dem, der da nicht wohl bewahrt

vom Balkenkreuz der Fenster!

Schon manchen hat das wilde Gejaid

auf blanker Flur gefunden;

man traf die Fetzen von seinem Kleid,

er selber blieb ewig verschwunden.

Der Alte verstummt. Es lastet wie Traum.

Haben die Augen getrogen?

Sah man nicht draußen den Mantelsaum

des wütenden Jägers wogen?