Rückschau und Aufblick

M. von Kralik

Zu Linz an der Donau, da bin ich gebor'n,

dort bin ich als zullendes Kind aufzog'n word'n.

Zur Freud' von mein' Mutterl, da hab' ich ganz stad

das Liederl schon nachg'summt, mit dem s'mi eing'heiderlt hat:

„I bitt', Herr Hauptmann, bitt recht schön,

o lassen S'mich auf Urlaub geh'n,

auf Urlaub gang i gar so gern,

auf Urlaub gang i gern!“

Das zweite Mal ward ich zu Wien dann gebor'n,

wo als Komponistin entdeckt ich bin word'n.

Vom Liszt dann empfing ich den Weihekuss;

die Arbeit, die ward mir fortan zum Genuss.

Der Bruckner, mein Lehrer, sagt, alles vergeht,

der Kontrapunkt, Kinderl, alleinig besteht.

Das Lehrgeld, das war nicht ganz umsunst

bei meinen Meistern der Kunst!

Durch d'Musi, da hab' ich viel Liebes erfahr'n,

dass 's Herz mir is warm blieb'n in allen den Jahr'n:

D'rum dank' ich recht schön euch, und auf d'letzt' will ich lob'n

und bitten den himmlischen Hauptmann dort ob'n:

„I bitt' dich, Herrgott, bitt recht schön,

lass mich noch nicht auf Urlaub geh'n,

die Arbeit hat mich nie noch g'reut,

zum Urlaub hat's noch Zeit!“