Sonntag

M. von Kralik

Ein Ruhetag! O wer es wirklich weiß,

was er bedeutet: Einmal ganz sich laben

am bloßen Dasein, rein am Augenblick,

nachdem ein hartes, zwingendes Geschick

durch Wochen lang' die Seele uns begraben!

Einmal sich selber folgen, notbefreit,

nicht vergewaltigt von den toten Dingen,

nur schauen, selig, alles, was du liebst,

dem du aus reinem Herzen Dasein gibst,

mit überströmend voller Kehle singen!

Einmal am Morgen, gnadevoll erwacht,

hinauszuschreiten in das holde Leben,

den langen Tag auf hundert Wegen hin

und müde, bis die Abendwolken zieh'n,

den Menschen Blumen nur und Liebe geben!