Vigilie

M. von Kralik

Vom hohen Sterngewölbe überdacht,

die Hände auf der bloßen Brust gefaltet,

umhaucht von mondenbleicher Mitternacht

wach' ich dem Willen, der da droben waltet.

Da tauchen aus den Höhen tausend Hände,

die fassen sich in tausend Himmelsgeigen.

Hinströmt Gesang: ein Anfang ohne Ende.

Die Erde kniet in Schlaf und Traumesschweigen.

Und harrend lausch' ich heiligem Dankgesange,

aus Sternenstätten sanft herniedertauend,

und knie selbst, in Glückes Überschwange,

der Gottheit Antlitz in der Klarheit schauend.