Zu Heidelberg
M. von Kralik
Euch grüß ich, weite lichtumflossne Räume,
Dich, alten reich bekränzten Fürstenbau.
Euch grüß ich hohe, dicht umlaubte Bäume
Und über euch des Himmels tiefes Blau.
Wohin den Blick das Auge forschend wendet
In diesem blütenreichen Wunderraum,
Wird mir ein leiser Liebesgruß gesendet;
O freud- und leidvoll schönster Lebenstraum!
An der Terrasse hochgewölbtem Bogen
War eine Zeit sein Kommen und sein Gehn,
Die Chiffer, von der lieben Hand gezogen,
ich fand sie nicht, sie ist nicht mehr zu seh'n.
Dort jenes Baums Blatt, das aus fernem Osten
Dem westöstlichen Garten anvertraut,
Gibt mir geheimer Deutung Sinn zu kosten,
Ein Selam, der die Liebende erbaut.
Durch jenen Bogen trat der kalte Norden,
bedrohlich unser'm friedlichen Geschick.
Die rauhe Nähe kriegerischer Horden
betrog uns um den flücht'gen Augenblick.
Dem kühlen Brunnen, wo die klare Quelle
Um grün bekränzte Marmorstufen rauscht,
Entquillt nicht leiser, rascher Well auf Welle,
Als Blick um Blick und Wort um Wort sich tauscht.
O schließt euch nun, ihr müden Augenlieder!
Im Dämmerlicht der fernen, schönen Zeit
Umtönen mich des Freundes hohe Lieder;
Zur Gegenwart wird die Vergangenheit.
Aus Sonnenstrahlen webt, ihr Abendlüfte
Ein gold'nes Netz um diesen Zauberort,
Berauscht mich, nehmt mich hin, ihr Blumendüfte,
Gebannt in euren Kreis, wer möchte fort?
Schließt euch um mich, ihr unsichtbaren Schranken;
Im Zauberkreis, der magisch mich umgibt,
Versenkt euch willig, Sinne und Gedanken;
Hier war ich glücklich, liebend und geliebt.