Ich hab meines Liebsten Sinn erkannt
M. Zenger
Ich hab' meines Liebsten Sinn erkannt;
flieg', Vöglein, und sing' es am Walde.
Erzähl' es dem hellichten Sonnenschein,
Blauveilchen im Grase am Wiesenrain,
sag' ihnen, ich käme nun balde,
mein Herze, das hab' sich gewandt.
Ich hab' meines Liebsten Sinn erkannt,
da hat sich's von Leide zu Licht gekehrt.
Was dunkel gewesen, ist worden licht,
da wonniglich Seele zu Seele spricht.
Not, Kümmernis ist nun allzeit gewehrt,
sing' hell es, mein Vöglein, durchs Land!
Ich hab' meines Liebsten Sinn erkannt;
flieg', Vöglein, und sing's in die Runde.
Bin auf der vielschönen Welt nicht allein,
bin minnig gebunden zu zweien, zu zwei'n.
Zieh' bald, o du selige Kunde
mit meinem Herzliebsten durchs Land!