Roman

M. Zenger

Der Wildbach bricht sich schämend Bahn

Durch dunkle Waldesreiche.

Am Ufersrand -- wer hat's gethan? --

Liegt eine blasse Leiche;

Das weiße Kleid, das lose Haar

Wohl hängt's tief in die Fluth hinein,

Wohl fließt die Welle silberklar,

Von Schuld und Schmerz wäscht sie nicht rein!

Die Bäume warnten von Anbeginn,

Nun rauschen sie klagend d'rüber hin!

An rauhem Ort, im finstern Tann

Tief in Gestrüpp und Klippen,

Da harrt ein bleicher, grimmer Mann,

Schneeweiß die bebende Lippen.

Er stützt sich stumm auf sein Gewehr;

Der Hirsch scheu durch die Föhren bricht,

Das kluge Reh zieht nah' einher,

Er harrt und hebt die Waffe nicht.

Die Bäume wissen es wohl, warum!

Sie warten und lauschen ängstlich stumm.

Im dürren Laub, horch! Rosseshuf --

Der Graf mit stolzem Trosse!

Da gellt ein wüster Freudenruf --

Ein Knall -- er stürzt vom Rosse.

Ein Mann sprengt aus dem Hinterhalt

Starrt ihm in's brechende Aug' hinein,

Dann ruft er, daß es lustig schallt:

"Blut wäscht von Schuld und Schmerzen rein!"

Die Bäume schüttelten sich vor Graus

Und flüstern die Mähr' jahrein, jahraus.