Verstohlen

M. Zenger

Wie sind die Stunden so trüb, so trüb,

bis die Strahlen der Sonne verglühten!

Es zählet die Nacht die verschwiegene Lieb'

zu ihren duftigsten Blüten!

Wenn im flüsternden Mailaub der Zephyr erwacht,

sich heimliche Küsse zu holen,

mein Liebster, dann komm in den Garten sacht,

verstohlen.

Wenn das Mondlicht wandelt geisterhaft leis'

in den düster umschatteten Gängen,

wenn die Jasminblüten am schwanken Reis

voll tauiger Tropfen hängen,

wenn müde sich wiegen die Falter der Nacht

auf träumerisch blassen Violen,

mein Liebster, dann komm in den Garten sacht,

verstohlen.

Wenn in Schlummer gewiegt vom Fittich der Luft

die Rosen schlaftrunken schwanken,

wenn die Elfen sich wiegen in Blütenduft

auf der Beete verschlungenen Ranken,

dann schnell, eh' die wonnigen Stunden der Nacht

entflieh'n auf geflügelten Sohlen,

mein Liebster, dann komm in den Garten sacht,

verstohlen.