Wiedersehen
M. Zenger
Ich hab' die Jahre nicht gezählt,
Seit mich und dich der Sturm verschlug;
Ein Leben, dem das Liebste fehlt,
Zerfliegt wie flücht'ger Atemzug.
Ich glaub', ich hab' viel Zeit versäumt,
Ich glaub', ich hab' viel Leid verträumt;
Doch alte Lieb', die rostet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant spricht:
Herba flori fa!
Dort ragt, von Morgenduft umdeckt,
Dein Städtlein in das Tal hinaus,
Und dort, im grünen Busch versteckt,
Das wohlbekannte Erkerhaus.
Vorwärts, du lahme Eisenbahn,
Mag sein, 's ist eitler Jugendwahn,
Doch alte Lieb', die rostet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant spricht:
Herba flori fa!
Das du gepflanzt, das Lindenreis,
Zum stolzen Baum hebt sich's hinan,
Derweil in fahles Grau und Weiß
Die Locke meines Haupts gerann.
So gehts, wenn man zur Fremde fährt,
Das hat noch selten Heil beschert;
Doch alte Lieb', die rostet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant spricht:
Herba flori fa!
Halt aus, o Herz, noch faß' ich's kaum:
Dort winkt sie selber, mild und klar, --
Nichts weiß ich mehr von Zeit und Raum,
Die ich von ihr geschieden war;
Ich glaub', 's war nur ein Augenblick,
Ich glaub', dort winkt mein altes Glück,
Und alte Lieb', die rostet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant spricht:
Herba flori fa!