Lind duftig hält die Maiennacht
Max Mayer
Lind duftig hält die Maiennacht
Jetzt Berg und Thal umfangen,
Da komm' ich durch die Büsche sacht
Zum Herrenschloß gegangen.
Im Garten rauscht der Lindenbaum,
Ich steig' in seine Äste,
Und singe aus dem grünen Raum
Hinauf zur hohen Feste:
"Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch Wer sein Glück ihm angethan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --
Wie wunderschön ist doch der Mai,
Feinslieb, ich thu dich grüßen!"
Im Wipfel hoch die Nachtigall
Stimmt ein mit süßem Schlagen,
Durch Berg und Thal wird weit der Schall,
Der Schall des Lieds getragen.
Drob schauen rings die Vögel auf,
Der Sang thät sie erwecken;
Bald schmettert laut der helle Hauf
Aus Busch und Zweig und Hecken:
"Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch Wer sein Glück ihm angethan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --
Wie wunderschön ist doch der Mai,
Feinslieb, ich thu dich grüßen!"
Die Welle hört's, die Welle bringt's
Stromabwärts an die Häuser,
Aus nebelgrauer Ferne klingt's
Zurück mir leis und leiser.
Und oben hoch im Morgenduft
Seh' ich zwei Engel fliegen,
Wie Harfenton kommt durch die Luft
Ihr Sang herabgestiegen:
"Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch Wer sein Glück ihm angethan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --
Wie wunderschön ist doch der Mai,
Feinslieb, ich thu dich grüßen!"