Das Mutterauge
Max Spicker
Mutteraug', in deine Bläue
Möcht' ich all' mein Leben sehn,
Möchte schaun die Lieb' und Treue,
Die darin geschrieben stehn!
Mutteraug'! an meiner Wiegen
Wachtest Du oft Stundenlang,
Sahst du mich im Schlummer liegen,
Eingelullt vom süßen Sang.
Mutteraug'! am Krankenbette
Flehtest Du gar manche Nacht
Still zum Himmel, daß er rette
Mich, Dein Kind, aus Todesnacht.
Mutteraug'! und als ein Sehnen
In die Welt mich trieb hinaus,
Sah ich stießen Deine Thränen,
Da ich Abschied nahm von Haus.
Mutteraug'! in diese Ferne
Sendest Du noch Deinen Strahl,
Möchtest schaun, o wie so gerne!
Noch Dein Kind ein einzig Mal.
Mutteraug'! ich kehre wieder,
Kehre bald zu Dir zurück,
Schließe nicht die müden Lider,
Gönne mir noch manchen Blick!
Mutteraug'! in Deine Bläue
Laß mich all' mein Leben sehn
Laß mich schaun die Lieb' und Treue,
Die darin geschrieben stehn!