Sehnsucht nach Mitgefühl
N. von Krufft
Wo weilt die Seele wie meine gestimmt?
Der Stern des dunkelnden Abends vernimmt
Nicht meinen Wunsch; was dem Herzen gebricht,
Gewährt er mir nicht.
Wann in den Pappeln die Nachtigall schlägt,
O Freund, wie bin ich so innig bewegt!
Mit ihrer Töne Bedeutung vertraut,
Verscheucht sie mein Laut.
Der Mond beflimmert mich düster und bleich
Durch Tannenwipfel und Förengesträuch;
Der matte binsenbespülende Bach
Seufzt langsam mir nach.
Der Wiederhall in den Klüften verschlingt
Die Klage, welche die Sehnsucht ihm bringt.
Bald schwindet, was der Verlassene ruft,
In nichtiger Luft.
Erguß, du Trauter, und Sänftigung fehlt
Dem öden Herzen, von Sehnsucht gequält,
Dem die Natur, die es inniglich liebt,
Genüge nicht giebt!
Wohl herben Kummer zu mildern gelang
Der Mitempfindungen Wechselgesang!
Aus Klagen, traulich mit Freunden gekost,
Entblühet der Trost.
Verwandte Seelen verstehen sich ganz!
Nimm dieses Liedes Vergißmeinnicht-Kranz,
Aus dem, von Seufzern der Ahndung umweht,
Die Warnung ergeht:
Wo weilst du, Trauter? Schon grünt uns ein Baum,
Der Baum zum Sarge! schon grünet ein Raum;
Der Raum wo künftig, vom Graswuchs umbebt,
Mein Hügel sich hebt!