Der Junggesell
Niels Wilhelm Gade
Ich bin ein leichter Junggesell
Und wandre durch die Welt,
Nomaden gleich, erbau' ich schnell
Und breche ab mein Zelt.
Wohl träumt mir oft, es hab' ein Weib
Sich an mein Herz geschmiegt,
Ich hab' im süßen Zeitvertreib
Ein holdes Kind gewiegt.
Doch weg den Traum! ich bin erwacht,
Er hat gar lang gewährt,
So lang, daß er bei Tag und Nacht
Mir immer wiederkehrt.
Der Ausgang liegt mir stets im Sinn:
Zum Grabe feucht und kalt
Trug man die schöne Mutter hin;
Das Kind dann welkte bald!
Der ganze Traum ist nun vorbei;
Mein Auge wusch ich hell,
Durchwandre wieder leicht und frei
Die Welt als Junggesell.
Zwei Locken aber, wunderbar
Vom Traum mir blieben sind;
Die braune von der Mutter Haar,
Die blonde von dem Kind.
Schau' ich die goldne Locke an,
So bleicht das Abendroth;
Und seh' ich auf die dunkle dann,
So wünsch' ich mir den Tod.