Des Russenmädchens Klage

O. Hailer

Ich armes Russenmädchen

muss von dem Liebsten scheiden,

muss in die Fremde zieh'n,

um nimmer wiederzukehren.

Mein süßes Lieb, leb ewig wohl!

Ich arme Maid muss wandern,

mög' neue Liebe dir blüh'n!

Du lieber Knab' im Norden,

muss nun gen Süden zieh'n.

Nicht harrst du mehr in Nächten,

wenn droben die Sterne geh'n,

ach, und um die glüh'nden Küsse

ist's auf immer, du Knabe, gescheh'n!

Ach, fern von meinem Liebsten

in Nacht sinkt all mein Glück!

Eisblumen flecht' ich zum Abschied

dir, Knabe, mit nassem Blick.

Wie saust der Wind durch die Bäume

und reißt die Blüten herab!

Im Sturm, da hör' ich's singen:

Eure Heimat ist das Grab!

Ich armes Russenmädchen

muss von dem Liebsten scheiden,

muss in die Fremde zieh'n,

und nimmer kehrt dein Liebchen heim,

leb ewig, ewig wohl!