Kindergottesdienst

O. Schoeck

Es läuten zur Kirche die Glocken,

Die Eltern, die gingen schon aus,

Drei Kindlein in goldenen Locken

Die sitzen noch unter dem Haus.

Die muntern unmüßigen Gäste

sind noch für die Kirche zu klein,

Doch wollen am heiligen Feste

sie fromm wie die Alten schon sein.

Hat jedes ein Buch sich genommen

Und hält es verkehrt auf dem Schoß,

Draus singen die Schelme, die frommen,

Mit schallender Stimme drauf los.

Weiß selber noch keins, was es singet,

singt jedes in anderem Ton;

singt immer, ihr Kindlein, es dringet

Auch so zu dem himmlischen Thron.

Dort stehen eure Engel, die reinen,

Und singen dem Vater der Welt,

Der stets aus dem Munde der Kleinen

Am liebsten sein Lob sich bestellt.

Singt immer; da drüben im Garten,

Da singts in die Wette mit euch;

Die Vöglein sind es, die zarten,

Die zwitschern im jungen Gesträuch.

Singt immer; ihr singet im Glauben

Das ist ja dem Heiland genug,

Ein Herz ohne Falsch wie die Tauben

Nimmt frühe gen Himmel den Flug.

Singt immer; wir singen, die Alten,

Und lesen die Schrift mit Verstand,

Und doch, ach! wie hundertmal halten

Das Buch wir verkehrt in der Hand!

Singt immer; wir singen die Lieder

Nach Noten, so wie sichs gehört,

Und doch – vom Gezänke der Brüder

Wie oft wird der Einklang gestört!

Singt immer; aus irdischen Hallen

Der hehrste und herrlichste Chor,

Was ist er? ein kindisches Lallen,

Ein Hauch in des Ewigen Ohr!