Jesus, der Kinderfreund

O. Taubert

Heil uns! des Vaters Ebenbild,

Der droben herrlich thronet,

Hat hier auf Erden hehr und mild

Gewandelt und gewohnet!

Und seine Huld und Herrlichkeit

Umhüllt' ein schlichtes Pilgerkleid.

Es kam von seines Himmels Höhn

Die Erde zu erlösen,

Voll Gnad' und Wahrheit, wunderschön

Sein Wort, sein Blick, sein Wesen!

Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht,

Umfloß sein menschlich Angesicht.

Er ging im Land' umher, sein Herz

Voll Lieb' und voll Erbarmen --

Erheiterte den stummen Schmerz,

Und tröstete die Armen,

Er sah die Unschuld freundlich an,

Und Kindlein durften ihm sich nahn.

Ihm ging, den Säugling in dem Arm,

Die Mutterlieb entgegen,

Frohlockend hüpft' ein bunter Schwarm

Von Kindlein an den Wegen --

Und Jesus stand und und sah in Ruh

Dem fröhlichen Gewimmel zu.

Da wies ein Jünger sie zurück,

Da standen sie beklommen --

Er aber sprach mit mildem Blick:

O, laßt sie zu mir kommen,

Und seid auch ihr den Kindlein gleich!

Denn ihrer ist das Himmelreich!

Und sieh! die Kindlein säumten nicht,

Und nahten voll Vertrauen,

Er neigete sein Angesicht,

Sie freundlich anzuschauen.

Hob sie empor auf Arm und Knie'

Und segnete und herzte sie.

Und wenn er nun von dannen ging,

Da flossen manche Thränen,

Und manches trübe Auge hing

An ihm mit stillem Sehnen,

Und flehete mit frommem Blick --

Ach, kehre bald zu uns zurück!

O du erhabner Kinderfreund,

Einst kommst du herrlich wieder!

Dann blicke, wenn dein Tag erscheint,

Auch segnend auf uns nieder.

Dann leit' auch uns an deiner Hand,

Du treuer Hirt ins Vaterland!