Abendruhe

O. Wermann

Seht der Abend senkt sich wieder

Auf die müde Erde nieder,

Unser Tagwerk ist vollbracht!

Hört! das Glöcklein ruft: vollende!

Falte betend deine Hände:

Gott der Liebe, süße Ruh

Sende du den deinen zu!

Seht der Sonne Strahl verglühen,

Und die Heerden thalwärts ziehen;

Halte Rast, o Wandersmann!

Glöcklein thut ja Allen läuten,

Feierabend soll's bedeuten;

Gott der Güte, laß uns rein,

Wie die Lämmer schlafen ein!

Seht! es ruht die Welt im Schatten,

Bis der Mond beglänzt die Matten,

Und uns zeigt das Kämmerlein.

Glöcklein hör' ich nicht mehr läuten,

Will zur Ruhe mich bedeuten.

Herr des Lebens, halte Wacht

Über uns in dieser Nacht!